Freitag, 8. August 2014

Iya

Meine Arbeitskollegen waren der Meinung, dass ich einen afrikanischen Namen bräuchte. Hier hätte viele noch einen zusätzlich Spitznamen der etwas über sie aussagt. Schnell waren sie sich einig, dass sie mich ‚Iya‘ taufen, was übersetzt ‚Großmutter‘ bedeutet. Sie haben es wie folgt begründet: Dies wäre ein ehrenvoller Name, den man nur an Menschen gibt mit viel Lebenserfahrung. Menschen die man respektiert. Menschen die sich um alle anderen kümmert und dafür sorgt, dass sie sich wohlfühlen und es ihnen gut geht. Sie unterstützen andere jederzeit und haben eine warme, herzliche Art. Es sei wohl unüblich, einen solchen Namen an eine so junge Person wie mich zu geben. Es würde aber zu mir passen und ich hätte es verdient J

Schneiderin

Viele Kameruner (zumindest mit höheren Einkommen) lassen sich ihre Kleider hier Maßanfertigen. Importierte Kleidung ist hier in den Geschäften oft teurer, wenn man etwas neuwertiges will. Juliette nahm uns mit zu ihrer Schneiderin Nicoline, damit wir uns auch ein Klein anfertigen lassen können. Aus einem Kleid wurden inzwischen 9 Kleider J Für umgerechnet 10-20€ pro Kleid muss man doch zuschlagen.



Hochzeit

Lange habe ich nichts mehr geschrieben. Die Lehrerfortbildung läuft auf Hochtouren, welche viel Vorbereitung verlangt und auch jetzt meine Tage von früh morgens bis nachts in Anspruch nehmen.
Gerade habe ich ein wenig Luft und versuche mal ein wenig nachzuholen:

Hochzeit
Mit der Familie ging es nach Yaounde zu der Hochzeit eines Cousins. Da wir mit Mdm Oben dort hinfuhren, kamen wir natürlich wie immer zu spät. Planendes Denken ist bei ihr wirklich nicht vorhanden. Erstmal braucht sie Ewigkeiten um sich selbst fertig zu machen bis sie dann endlich bereit ist los zu fahren. Aber sobald man die Tür abschließen möchte um das Haus zu verlassen fängt man erstmalig an darüber nachzudenken, dass die Handwerker im Haus sind. Diese müssen dann erstmal aufgefordert werden alles  zu packen und aufzuräumen… Kaum das Haus verlassen, bemerkt man, dass man das Hochzeitsgeschenk zu Hause vergessen hatte etc… Danach dann 7 qualvolle Stunden im Auto nach Yaounde um schnell im Hotel einzuchecken und sich umzuziehen. Danach weiter zur traditionellen Hochzeit am Abend.
Eine riesen Villa mit Garten, unzählige Gäste, Buffet, Musik, traditionelle Kleidung etc.. Prinzipiell eine ‚normale‘ schöne Feier. Was jedoch früher am Abend stattgefunden hat ist spannend:
Der Pride price (Brautpreis): Der Mann muss Geschenke an die ganze Familie der Braut geben (Quasi für die Frau bezahlen). Abhängig von Wohlstand, Bildungsgrad und Region des Landes variieren die Preise. Wir haben versucht das ganze in Relation zu setzen und sind für mich als Lehrer bei folgendem Ergebnis gelandet: Für mich muss etwa das 10fache meines Gehaltes an meine Familie gezahlt werden. Dies wird unter allen Verwandten aufgeteilt und kann in Form von Bargeld, Schweinen, Reissäcken oder oder bezahlt werden. Vor der Hochzeit reicht die Familie der Braut eine Liste mit allen Forderungen ein woraufhin dann evtl. noch Verhandlungen und eine Einigung folgen. Ein Wegrennen am Altar gibt es hier nicht, das wäre ja ‚unsinnig, da man ja schon bezahlt hätte‘ :-D.

Am nächsten Morgen fand dann die kirchliche Trauung statt, welche den Traditionen in Deutschland sehr ähnelt. Kleid, Blumenkinder etc.. Alles nur etwas kitschiger und bunter. Zudem wird am Ende in der Kirche mit allen getanzt, was eine schöne ausgelassene und feiernde Atmosphäre schafft.
Danach gab es wieder ein Buffet und Abends eine weitere Feier in einem Festsaal. Alles war durchstrukturiert mit Programm und Moderator; erneut Buffet; Kuchen anschneiden, Tanzen etc..


Am nächsten Morgen sollte es dann schnell zurück nach Limbe gehen, da abends das WM-Finale ausgestrahlt wird. ‚Schnell‘ war natürlich nicht möglich und wir kamen gerade 45min vor Spielbeginn an. Schnell umziehen und los ging‘s. In einer Bar mit Public viewing genossen wir dann das spannende Spiel. Lange gefeiert haben wir auf Grund des enormen Schlafmangels nicht.

Samstag, 19. Juli 2014

Geburtstag

Spontan hatte uns das Hausmädchen zu dem Geburtstag ihrer Cousine eingeladen. Anstatt 15 Uhr wurde der Beginn dann auf 19 Uhr verschoben. Als wir um 20.30 Uhr ankamen waren wir immer noch ein der ersten Gäste. Bei jeder Feier gibt es einen Moderator der verschiedene Programmpunkte durcharbeitete. Ich war auch namentlich im Programm untergebracht und für das Öffnen des Sekts verantwortlich. Steffi und ich hatten irgendwie Ehrenplätze auf dem Sofa erhalten während alle anderen auf Plastikstühlen platz nahmen. Das Buffet war super lecker uns zahlreiche Getränke führten zu unserer Erheiterung bei. Die Familie ist zudem in der Filmbranche tätig und fragte uns ob wir nicht in einem ihrer Filme mitspielen wollen. Klar. Warum nicht?! :-D Mal schauen ob das vor Abreise noch etwas wird.
Das Hausmädchen trank ebenfalls ein alkoholisches Getränk nach dem anderen, obwohl sie offensichtlich schwanger ist. Ihr selbst ist dies jedoch nicht bewusst.
Nach ein paar ausgelassenen Stunden verließen wir die Party um uns mit Juliette zu treffen und ins Maxims zu gehen. Dort wurden wir jedoch nicht rein gelassen, weil wir nur Flipflops trugen und dies nicht schick genug für den Club wäre. Spontan gingen wir dann ins Neptun und feierten dort bis früh in den Morgen. Ihr Mann war auch dabei, welcher wirklich sehr sympathisch war.  Die beiden zusammen waren auch total süß, weil sie irgendwie noch etwas Verliebtes in den Augen hatten. Bei all den verärgerten Gemütern und mangelnder Liebe für den Partner und Kinder, war dies wirklich schön anzusehen.


Er hat uns zudem beigebracht, wie man mit der Hand Kronkorken viertelt :-D 

Eine Diskussion über Religion

Ein Freund der Familie ist Pastor und war des Öfteren zu Besuch. Natürlich ging das Gespräch wieder einmal in die religiöse Richtung und eskalierte leicht :-D
Wir tauschten uns über die verschiedenen christlichen Auslegungen aus, sowie andere Religionen. Argumentationsführung ist ihm nicht bekannt. Auf Argumente von unserer Seite wurde einfach ein neues Argument gebracht anstatt auf unseres passend zu antworten oder stumpfe Bibelzitate wurden herunter geleiert. Unfassbar. Welch eine Ignoranz. Er ist tatsächlich der Meinung, dass alle anderen Religionen Unrecht haben und er könne diese nicht akzeptieren. ‚Moslems sind ein Problem der Christen‘….Blalabla. Da ist von Weltoffenheit, Akzeptanz und Nächstenliebe echt keine Spur. Kritisches Hinterfragen kennt er nicht. Alles ist wirklich einfach stumpf auswendig gelernt.
Selbst unsere Gasteltern waren auf unserer Seite und waren der Ansicht, dass Religion primär zur Vermittlung von Moral und Werten dient. Und auch wenn wir unterschiedlichen Glauben angehören, die Essenz jedoch in eine ähnliche Richtung geht.
Der Höhepunkt der Diskussion war dann das Argument von ihm: Hinduismus wäre ja wissenschaftlich wiederlegbar, denn bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass die Knochen von Verstorbenen in der Erde zurück bleiben. Daher wäre eine Wiedergeburt ja ausgeschlossen. Ähm…. AHA! Gerade für Steffi, welche sehr wissenschaftlich veranlagt ist, war dies der Auslöser gleich mehrere wissenschaftliche Fakten niederzuschmettern welche den Überlieferungen des christlichen Glaubens wiedersprechen. Aber hierauf wurde wieder nur mit stumpfen Zitaten entgegnet die keinerlei Zusammenhang hatten.
Arg. Ich persönlich finde, das Glaube und Religion eine schöne Sache sein können. Wenn sie jedoch so in Ignoranz und Intoleranz münden… Da kann ich echt ausrasten.


Mr. Talla aus meinem Büro ist ebenfalls Pastor. Er hingegen sieht positive Aspekte in jeder Religion und findet ebenfalls, dass es um Moral und Werte geht; dass es nicht um ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ geht.

Politik - Präsident

Mit mehreren Lehrern hatten wir uns über die politische Situation Kameruns unterhalten. Seit der Unabhängigkeit (1982) des Landes besetzt ein und der gleiche Präsident das Amt, was nicht gerade zum Fortschritt beiträgt. Durch Korruption und Betrug wird er alle paar Jahre wiedergewählt, obwohl die Mehrheit des Volkes sich einen neuen Präsidenten wünscht. Zudem wurde gesagt, dass jeder der sich nur ansatzweise gegen die Regierung erhebt, direkt lebenslänglich ins Gefängnis gesteckt wird. Daher traut man sich nicht zu demonstrieren oder andere politische Bewegungen in gang zu setzten. Jeder der sich irgendwie politisch in eine andere Richtung engagiert, muss dies verdeckt tun und quasi auf den Tod des Präsidenten warten. Erst dann besteht die Hoffnung, solche Bewegungen auch öffentlich betreiben zu können. Des Weiteren wurde gesagt, dass der Präsident selbst gegen so viele Gesetze verstoßen habe, dass er sofort ins Gefängnis käme, sobald er das At ablegen würde. So lange er im Amt ist, ist er die höchste Instanz des Landes und kann nicht angeklagt werden. Selbst Mr. Oben, welcher für die Regierung arbeitet, hat sich zu Hause ebenso kritisch geäußert. Außerhalb der eigenen vier Wänden könne man sich niemals so kritisch unterhalten. 

Sonntag, 6. Juli 2014

Feriencamp – der Start

Nach langer Zeit der Analyse und Vorbereitung fing nun endlich das Feriencamp an.

1 Woche an Lehrerfortbildung:

Anstrengend, Spannend, Schön :-)
Ich habe schon in vielen Ländern trainiert und mit ganz verschiedenen Altersgruppen gearbeitet. Doch immer wieder sind neue Länder eine Herausforderung für mich! Welche Methoden sind möglich? Welche Kompetenzen vorhanden? Wo wird vlt. eine Diskussion ausbrechen? Wird offen die Meinung gesagt? Wird kritisches Denken aktiv praktiziert....? So viele Einflussfaktoren die kulturell beeinflusst werden!
Und genau so kam es auch: Unerwartete Reaktionen und Momente, die ich nicht hätte absehen können. z.B. sind selbst die Erwachsenen es nicht gewohnt, offen zuzugeben, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Komplexe Aufgabenstellungen müssen in Mini-Schritte zerlegt werden. Das erfassen von Modellen, Grafiken und Strukturen dauert wesentlich länger. Puzzeln wurde noch nie praktiziert....
Aber: Ich bin ziemlich zufrieden und bin spontan immer gut auf die Situation eingegangen :-)

Eine der anstrengendsten Diskussionen kreisten um das Thema 'Bestrafung'. Insbesondere, da die Schulleitung und ich uns darauf geeinigt haben, dass es keine Bestrafung mehr geben soll. Was sind alternativen? Strategien? Oh man! Echt krasse Ansichten, die hier in die Gehirne eingebrannt wurden in der Vergangenheit! Die zu überschreiben ist fast unmöglich... Aber wir geben nicht auf und kämpfen uns Schritt für Schritt nach vorne :-)

4 Wochen Feriencamp:

Anmeldungen:
Leider meldeten sich weniger Kinder als erwartet an. Dies ist auf zahlreiche Gründe zurück zu führen, jedoch primär auf die Kultur Kameruns und die große Differenz zu unserer Vision.
Einfach gesagt: Wir wollten zu viel in kurzer Zeit; Ziele die zu weit weg von den Kenntnissen und Erwartungen der Eltern liegen kombiniert mit unterschiedlichen kulturellen Erwartungshaltungen. Aber auch hieraus nehmen wir viel mit um das Projekt weiterhin zu verbessern und nachhaltig in den Lehrplan zu implementieren.
Kontinuierliche Fortbildung der Lehrer während der Praxisphase:
Das Camp bietet uns die Möglichkeit, die Lehrer während der Umsetzung von neu Erlerntem zu begleiten, zu unterstützen und den Fortschritt zu reflektieren. Dies bildet wieder eine Grundlage für die Erstellung des 3-Jahresplanes.
Fazit: Die Lehrer sind bemüht, die Dinge umzusetzen und sind wissbegierig dabei. Trotzdem müssen die Ziele und Schritte permanent wieder angepasst werden. Kleinste, kleinste Schritte sind von Nöten, damit weder Lehrer noch Schüler überfordert werden. Denn auch die Schüler müssen sich erst an neue Konzepte und Methoden gewöhnen und entsprechende Kompetenzen entwickeln.
Die Kinder:
Die Kinder genießen die ‚neue Art‘ des Unterrichts, auch wenn es des Öfteren zur Überforderung kommt. Mangelnde Kompetenzen sind permanent festzustellen, verbunden mit der Angst in den Knochen. Kinder sind schließlich Prügel gewohnt und entsprechend noch von den Lehrern eingeschüchtert. Dies wirkt sich negativ auf interaktive Methoden aus, da die Panik immer mitschwingt: ‚Wenn ich etwas Falsches sage, werde ich bestraft‘. Dies macht den Job insbesondere für Steffi sehr schwierig und frustrierend, da die Kinder zu Beginn Angst vor ihr haben, was sicherlich kein schönes Gefühl ist. Die Arbeit hier sieht eben doch ein wenig anders aus und benötigt immer wieder unser Engagement und Stärke.