Montag, 26. Mai 2014

Dies und Das

Hier ein paar kleine Aspekte, die ich hier erlebe und mir auffallen:

Albino:
An der Schule gibt es eine Lehrerin die ein Albino ist. Sprich: Afrikanischer Körperbau (z.B. große platte Nase) aber komplett weiß und gelblich-blonde Haare. Auch auf den Reise habe ich 2-3 Verkäuferinen des gleichen Typen gesehen. Angeblich kommt das öfter mal vor uns ist gesellschaftlich anerkannt.

Schönheitsempfinden:
- Hier steht der Hintern der Frau an erster Stelle. Gerne groß aber knackig.
- Manche Frauen rasieren sich die Achsel, ist aber kein Muss. Beine werden nicht rasiert und ungläubig bei mir betracht :-D
- Die Kunsthaare und Nägel habe ich ja bereits erwähnt
- Der Mann wird primär nach Sicherheitsaspekten ausgesucht (Stärke, Schutz, Geld)

Lehrer vs. Sekretär:
-Lehrer sein ist ein unterbezahlter Job und gesellschaftlich nicht anerkannt. Sekretäre verdienen mehr und übernehmen Arbeiten wie z.B. die handschriftliche Klausur des Lehrers am Computer umzusetzen. Administrative Arbeiten und insbesondere Computerkenntnisse sind hier selten vorhanden und selbst dann sehr unterentwickelt. Den 'Drucken'-Button zu finden kann auch mal 2 Minuten dauern.




Kuchen backen

Sonntags wollte ich 2 Kuchen für die Lehrer backen um die guten Ergebnisse der Abschlussprüfungen zu feiern und um ein wenig deutsche Kultur zu repräsentieren. Fazit: Ein Krampf! :-D
Backpulver, Milch, Kakaopulver? Ähm ja. Schwierig! Milch gibt es nur in gesüßter Form. Selbst Milchmädchen (reiner Zuckersirup) wird als ‚Milch‘ dem Kaffee hinzugefügt. Also hieß es improvisieren und mit Kakaodrinkpulver arbeiten. Wassere mit Kohlensäure um Backpulver zu ersetzten… und so weiter. Und dann einfahcc auf gut Glück mixen :-D
Die Rohmasse war dann schon einmal lecker und ich zufrieden. Und dann, oh Wunder, der Ofen funktioniert nicht (wurde auch Jahre nicht mehr benutzt). Was nun? Backen auf afrikanische Art und Weise: Einen groooßen Topf mit etwas Sand füllen, den Kuchenteig in eine Schüssel umfüllen und diesen in dem Topf platzieren und auf den Gasherd stellen. Ich habe 5 Stunden für 3 Durchgänge gebraucht :-D Zum Glück hat er geschmeckt. Wobei die Kohlensäure natürlich mit der Zeit auch nichts mehr brachte…

Es hat geschmeckt. Die Lehrer haben sich mega gefreut. Und ich hab etwas über afrikanische Kochkunst gelernt. Was will man mehr J

Auf die Piste mit den Gasteltern


Am Samstag Abend ging es mit meinen Gasteltern in eine Bar mit Live-Musik. Was ein Abend :-D
Mehrere Bier und eine Flasche Whiskey zu dritt vernichtet. Uiuiui.
Die Musik war sehr gemischt. Von afrikansicher Musik (so naja nach meinem Geschmack) bishin zu richtig super Sängerinnen die verschiedenste Lieder von z.B. Whitney Huston mal eben locker runter singen. Echt ein schöner Abend! Spannend zu beobachten: Die Leute sitzen einfach nur da, unterhalten sich nicht und hören zu. Ein Lächeln sieht man nirgens. Es wirkt geradezu als ob sie sich langweilen oder gar genervt sind. Ich glaube ich muss echt noch mehr Feingefühl für die Stimmungslage hier entwickeln. Erst mit erheblich gestiegenem Alkoholpegel fangen die Leute an zu tanzen und auf den Stühlen zu wippen. Den Tanzstyle kann ich noch nicht so einschätzen… Bei den Männern wirkt es elektroschock-abzappel-mäßig wärend die Frauen ganz gut die Hüften schwingen. Wobei hier hauptsächlich mit den Beinen, insbesondere im Kniebereich, gearbeitet wird. Demnächst werde ich mit der Nichte, die in meinem Alter ist, mal in einen Club gehen. Ich bin gespannt J
Madame Oben hat sie mir kürzlich vorgestellt, damit wir öfters mal etwas unternehmen können. Evtl. fahre ich mit ihr über das Wochenende an die Küste J Ich hoffe, dass sie nicht soooo langsam in allem ist ;-)

Bezüglich Organisationstalent und Zeitmanagement: Madame Oben wollte heute nach Buea. Wie immer ‚gaaaanz früh morgens‘. Im Endeffekt ist sie nicht gefahren, weil der Kühlschrank leer war uns sie noch einkaufen gehen musste. So etwas sprengt hier gleich einen ganzen Tag.

Ausflug mit Mister Talla


Am Samstag holte mich Mister Talle (Sekretär) mit dem Motorrad ab um mir ein paar Ecken von Limbe zu zeigen. Zu erst ging es zu einem kleinen Kunstladen wo mir verschiedene kulturelle Gegenstände nahegebracht wurden; u.a. Masken und Instrumente. Im Anschluss ging es dann zum Fischmarkt, welchen ich mir zugegebenermaßen anders vorgestellt hatte. Anstatt eines ‚Marktes‘ war es ein Küstenabschnitt mit zahlreichen Fischerbooten (Kanu-artig) sowie die anliegenden ‚Wohnviertel‘. Viele der hier arbeitenden Menschen sind illegale Einwanderer sowie/und unterste Schicht der Gesellschaft. Slums; aneinander gepresste Hütten mit Unmengen an Müll. Über Kanalisation möchte ich erst gar nicht nachdenken bzw. ich mag nicht darüber nachdenken, dass die öffentliche Toilette gleichzeitig der Ausgangspunkt der Fischerei darstellt. Guten Appetit.
Dank Herr Talla war es uns möglich zwischen den Hütten umher zu laufen und einen Einblick zu gewinnen. Beeindruckend war die Art und Weise wir der Fisch geräuchert wird. Eine riesige Hütte mit Feuerstellen und riesige Flächen voll Fisch, welche von Frauen regelmäßig gewendet wurden. Ich hatte schon nach 3min einen Hustenanfall da natürlich kein Abzugssystem bestand bzw. man eben mitgeräuchert wurde.

Anschließend ging es zur Holzfabrik eines Bekannten. Nichts Besonderes abgesehen der harten Arbeit, da natürlich viel per Hand gemacht wird und entsprechende Industrialisierung nicht vorhanden ist.

Danach ging es raus aus der Stadt Richtung Westen zum Fuße des noch weit entfernten Mount Cameroon, dem höchsten Berg und Vulkan Westafrikas.  Hier konnten wir auf einer Lavazunge wandern, die vor 4 Jahren einige Dörfer und Palmenplantagen unter sich begrub (es wurde keiner verletzt). Es war wirklich beeindruckend die neu formierten Berge aus reinem Vulkangestein zu sehen, wo vorher nur flaches Land existierte. Seitlich der Lavazunge erstrecken sich riesige Flächen an Palmen, wohingegen die Lavazunge nur nach und nach kleine Büsche und Gras auf sich gedeihen lässt. Ein heftiger Regen zwang uns leider zu einer eiligen Rückkehr.
Um die Wanderung zu übernehmen mussten wir sogar etwa 2€ Eintritt zahlen. Nicht, dass da ein Büro oder ähnliches gewesen wäre. Nein. Nur zwei einsame Kerle die in einer Hütte die Stunden rückwärts zählen. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich den beiden wohl kaum geglaubt und mich vtl. geweigert den beiden das Geld zu geben. Aber hier in Kamerun ist das nun einmal so :-D

Neben der Hütte waren zudem unzählige Wasserflaschen aufgestellt, welche eine komische Flüssigkeit enthielten. Aufklärung: Es handelte sich um einen gestrandeten Wal und dessen fett, welches als Beautprodukt und gegen Schmerzen verkauft wird. Die Flaschen stehen dort tag und Nacht und keiner hat einen Zweifel, dass sie gestohlen werden. Da sie sich ja immerhin 20min außerhalb der Stadt befinden. Ok :-D

Abschlussprüfungen


In den letzten Wochen vor den Schulferien stehen zahlreihe Klausuren für die Schüler an. Am entschiedensten ist jedoch die Abschlussprüfung in Mathematik und Englisch der 6. Klasse. Sie ist von der Regierung vorgegeben und stellt zugleich die nationale Eignungsprüfung für die Sekundarstufe dar. Falls man sich für eine Sekundarstufe bewerben möchte (leider noch nicht der Normalfall) muss man bestanden haben und wird entsprechend der Abschlussnote gerankt. Zudem werden alle Grundschulen Kameruns daran gemessen und miteinander verglichen.
Fazit: Wir sind die einzige Schule in Limbe die mit ‚Exzellent‘ abgeschlossen hat. D.h. die einzige Schule deren Schüler alle mit einem A bestanden haben. Das war Grund zu feiern J

Nationaler Feiertag


Am nächsten Morgen ging es dann zum Marschieren in die Stadt. Der nationale Feiertag zur Wiedervereinigung Kameruns und Ehrentag des Militärs fing mal wieder ganz toll an. Alle Schüler versammelten sich in Uniform um auf den Beginn des Umzuges zu warten und selbst aktiv mitzumarschieren.  Wie es bei einem so großen Fest nun einmal so üblich ist, werden ganz viele leckere Naschereien verkauft. Auch die Schüler konnten nicht wiederstehen, was jedoch sofort mit Ohren lang ziehen (im harmlosesten Fall) bestraft wurde und die Leckereien in den Gulli geschmissen wurden; mit der Begründung dass die Uniformen sonst dreckig werden könnten.
Ich trennte mich daraufhin von der Gruppe um den Umzug als Zuschauer genießen zu können anstatt aktiv mitzumarschieren. Zu erst passierten mehrere Vertreter des Militärs in den unterschiedlichsten Arbeitsuniformen:



Im Anschluss dann alle Schulen der Stadt mit jeweils ‚nur‘ zwei Jahrgängen der Schule als Vertretung. Unfassbar wieviiiiiele Schüler! Hier wurde in jedem Fall das Bevölkerungswachstum mehr als deutlich! Allen Gruppen immer ein Banner voran mit einem Slogan der Schule. Alle sehr auf Zucht, Ordnung, Leistung etc. fokussiert, was das ganze manchmal wie die Hitlerjugend aussehen lies. Die Lehrer immer seitlich nebenher, die bei Bedarf (gefühlt ständig) die Kinder anschrien wenn sie nicht im Takt marschierten oder evtl. zu schnell waren.

Kribi

Das letzte verlängerte Wochenende verbrachten wir in Kribi. Wie bereits erwähnt ging es erst mit einiger Verspätung los wodurch wir erst spät abends ankamen und der Tag somit gelaufen war. Einer der ersten Menschen denen wir über den Weg liefen war, wie sollte es auch anders sein, Pastor :-D Gefühlt trifft dies irgendwie auf jede zehnte Person zu.
Naja. Madame Oben war dann natürlich wieder der Meinung, dass Gott uns ihn geschickt hat. Ich muss zugeben, dass dies (oder Schicksal, Zufall oder oder) sehr praktisch war, da er so nett war uns zu dem Hotel zu fahren welches ich vorher online recherchiert hatte. Da dies jedoch gerade einen Stromausfall hatte entschieden wir uns für ein anderes in der Nebenstraße, welches sich auch als günstiger erwies.
Zusätzlich war das T-Shirt des Pastors ganz amüsant, da es den Aufdruck eines Fußballvereins sowie dessen Dorfmeisterschaft aus Deutschland hatte (Ich glaube es war Wormsdorf). Dies spiegelt leider zugleich die Realität Afrikas wieder. Obwohl sie ein reiches Vorkommen an Baumwolle haben, fehlt jedoch die einheimische Industrie um dies günstig für die einheimischen Aufzubereiten. Daher wird eher von ausländischen Firmen das Material abgekauft und weiter verarbeitet sowie exportiert. Erst als Secondhand-Ware kehrt es dann wieder nach Afrika zurück. (trifft nicht auf alle Teile Afrikas zu)
Am nächsten Morgen sollte es dann früh morgens zum Strand gehen. Ich muss dazu erwähne, dass M Oben sehr merkwürdige Schlafgewohnheiten hat. Sie geht etwa um 9Uhr abends ins Bett und wird um Mitternacht etwa wieder wach. Die kühlere Nacht nutzt sie dann für Haushalt oder ähnliches, schläft dann wieder ein paar Stunden und steht gegen 6 Uhr wieder auf. Durch die Gewohnheit an diesen Rhythmus sitzt sie plötzlich mitten in der Nacht auf dem Stuhl im Zimmer und lässt Moses und mich weiter schlummern. Ich gebe zu, dass das zu Beginn sehr merkwürdig war, ich dies jedoch inzwischen genieße da ich dann für 2 Stunden mehr Platz im Bett habe :-D
Um spätestens 6 sind wir dann alle wach und beginnen nacheinander zu duschen, was bei den beiden total unorganisiert und meeeeega langsam abläuft. Sie hätte ja schon einmal duschen können, da sie schon früher wach war und nur ‚dumm‘ rum saß… Naja. Also wieder 1,5Stunden warten weil…. Duschen ja sooooo furchtbar anstrengend ist und die Tasche noch gepackt werden muss. Egal. Also los ging es zum Strand wo uns gleich ein Fotograf anquatschte. Madame Oben stieg soft drauf ein und buchte quasi unser eigenes, total überteuertes Shooting.



Abgesehen davon war der Strand schön (nicht umwerfend) und wir genossen es im Wasser zu spielen. Die Beiden können nicht schwimmen, was daher nur ein planschen für sie ermöglichte. Dann sollte es in die Kirche gehen, da uns der Pastor des Vortages eingeladen hatte. Ich hatte es dann aber bevorzugt am Strand zu bleiben und einmal die Stille zu genießen, ohne Geschrei und Geschichten von Madame Oben. Sie war von der Idee nicht begeistert mich alleine zu lassen, lies sich jedoch überreden. Man merkte sofort einen riesigen Unterschied hinsichtlich der Interaktion mit den Einheimischen. Denn bin ich mit Madame Oben unterwegs, haben die Menschen Ehrfurcht vor ihr und gehen eher auf Abstand. Kaum bin ich alleine, quatschen mich unzählige Menschen an. Wie so oft hat auch diese Medaille zwei Seiten: manche sind total nett, wollen vlt. nur ein Foto mit mir (wozu ich auch eigentlich stets bereit bin) oder wissen woher ich komme und was ich hier mache. Andere hingegen sind sehr aufdringlich und lassen dann auch nicht mehr locker. Sie kommen aufdringlich nahe und erzählen einem wie toll man doch sei und dass sie einen heirate wollen. Wenn man einfach mal seine Ruhe haben möchte ist dies doch sehr anstrengend insbesondere wenn das ganze auch noch auf Französisch stattfindet, was ich nun mal so gar nicht beherrsche (80% Kameruns sind frankophon, 20% anglophon). Mir wurde jedoch auch schon gesagt, dass diese Heirats-masche nicht nur bei Ausländern sondern allgemein genutzt wird um einfach Kontakt aufzubauen und ein Kompliment zu machen.

Im Anschluss habe ich mich wieder mit Madame Oben getroffen, welche sich lieber in einem Imbiss niedergelassen hat anstatt zur Kirche zu gehen :-D Nicht sehr verwunderlich. Im Voraus wird selten gedacht und geplant. Nun gut. Nach einem kleinen Snack sollte es dann zu dem Wasserfall gehen welcher direkt ins Meer fällt, was sehr selten auf der Welt vorkommt. Wir schnappten uns also einen Taxifahrer und erklärten ihm unser Anliegen. Er wollte uns dann gleich ein ganzes packet anbieten inklusive Kanutour zu den Pigmys (Uhreinwohner). Ich wollte erst verhandeln und weitere Nachfragen stellen was Madame Oben abwürgte und sie einfach zusagte. Dies stellte sich, wie sollte es auch anders sein, als ‚Dummheit‘ heraus. Hier die Menschen sind sehr Leichtgläubig, was ich ein anderes Mal weiter ausführen werde (z.B. Hexenzauber, Dämonen etc.)
Also ging es mit dem Auto zu der Kanustelle, wo von einem anderen Einheimischen ein weiterer Preis verlangt wurde obwohl uns das ganze als Gesamtpacket verkauft wurde. Wir fingen selbstverständlich an wild herum zu diskutieren, da wir uns betrogen fühlten. Wir entschieden uns dann nur zu dem Wasserfall weiter zu fahren und es uns dort gut gehen zu lassen. Ein schöner breiter Wasserfall der sich ins Meer ergoss. Wirklich schön! Eine angenehme Anzahl von Menschen die es sich ebenfalls gut gehen ließen und ein Bierchen am Strand. J
Am nächsten Tag sollte es dann auch schon wieder früüüh morgens Richtung nach Hause gehen, was im Endeffekt wieder folgendes bedeutete: 6Uhr aufgestanden; 9Uhr erst am Bus angekommen; 10.30Uhr mit dem Bus losgefahren.

Zudem war ein Zwischenstopp in Douala geplant, da sie zum Gynokologen musste und einen Termin hatte. Zu erst ging es dann zu Verwandten wo wir nett mit Essen empfangen wurden. Eigntlich wollten wir dann noch zum Markt, was dann, wie sollte es auch anders sein, aus Zeitgründen nicht klappte. Nach dem Arzttermin sollte es weiter Richtung Heimat gehen mit einem Zwischenstopp bei Ihrer Schwester. Was, oh Wunder, aus Zeitgründen nicht klappte und wir gleich weiter fuhren. Und dann kam das Unwetter: Von Jetzt auf Gleich wurde alles dunkel wie in der Nacht. Ein Sturm kam auf mit Wind, Blitz, Donner und wasserfallartigem Regen. Wir hielten sofort am Straßenrand an und nichts bewegte sich mehr. Durch die Scheiben war absolut nichts mehr zu sehen, außer gefühlte 3cm dicke Wasserschichten  die überall herunterliefen. Nur die Lichter anderer Autos ließen sich erahnen, welche auch stillstanden. Nach etwa 20min legte sich der Sturm und wir konnten endlich weiterfahren. Umgefallene Bäume, ein Autounfall sowie ein brennendes Haus konnte ich auf dem Heimweg erblicken. Angeblich war das ein ungewöhnlicher Sturm. Ich bin mal auf die Regenzeit gespannt, da ich mich in einem der regenreichsten Ländern der Welt befinde.

Samstag, 17. Mai 2014

Pünktlichkeit und Versprechen

Meine Geduld wird auch hier auf den Prüfstand gestellt. Zeitangaben, Pünktlichkeit, Versprechen... Naja. Alles so eine Sache.

z.B. wollte ich das lange Wochenende nutzen um nach Kribi zu fahren. Geplant war es am Freitag Abend loszufahren damit wir Samstag und Sonntag vor Ort genießen können und Montag zurück fahren. Nun ja.
Freitag ging dann aus irgend welchen Gründen nicht. Also sollte es Samstag ganz früh morgens los gehen (ca. 6Uhr). Nun ist es bereits 8.30 und das Essen für die Maler muss noch gekocht und die Küche aufgeräumt werden.

Zudem soll in Douala noch angehalten werden um ihren Arzt zu besuchen und sich behandeln zu lassen. Sprich: Vor Nachteinbruch werden wir niemals ankommen, was mich einen ganzen Tag vor Ort kostet. Prinzipiell fände ich das halb so wild wenn man genügen Zeit hat. Aber bei nur einem Wochenende Spielraum und unnötig frühen Aufstehen kann mich das doch sehr auf die Palme bringen. Zumal man auch noch eine Nacht vor Ort bezahlt, die quasi 'unnötig' ist. Aber am meistens geht es mir einfach um 'Versprechen' und Verabredungen. Es ist ja zudem nicht das erste Mal, dass ich unnütz warte und Zeit 'verschwende'.
z.B. wollten wir zu einem nahe gelegenen Berg spazieren. Um dies vor der Dunkelheit zu schaffen, sollte ich 2 Stunden früher von der Arbeit nach hause kommen. Ist ja kein Problem. Die Arbeit kann ich auch nachts nachholen. Allerdings verzögerte sich das Ganze um mehr als 1,5 Stunden. In dieser Zeit hätte ich auch mit meinen Kollegen arbeiten können und meine Zeit einfach effektiv nutzen können.

Ich kann durchaus entspannt mit solchen Dingen umgehen und genieße auch die gelassene Mentalität. Auf der anderen Seite ist mir meine Zeit einfach zu schade fürs unnütze Warten.

Auch Versprechen die gemacht werden sind nicht immer verbindlich. Und dies kollidiert doch erheblich mit meinen Werten.

Waisenhaus

Gestern war ich mit M Oben im Waisenhaus. Dort leben 17 Kinder die ganztägig von 7 Mitarbeitern (nicht alle Vollzeit) betreut werden. Die Kinder gehen wie alle anderen zur Schule und haben einen geregelten Alltag. Zu Hause stehen dann Kompetenzen des Alltags im Vordergrund die den Kindern nahe gebracht werden. Von abwaschen, waschen bis hin zum Gemüse anbauen und Garten pflegen. 'Es ginge darum, die Kinder für den Alltag und die Gesellschaft vorzubereiten'.
Erstaunlicherweise empfand ich das Klima als sehr willkommend und herzlich. Kein Schrein, Kommandieren und Bestrafen während meiner Anwesenheit. :-)

Eins der Kinder hat mich von oben bis unten unter die Lupe genommen. Unter anderem meine Haut begutachtet, Haare, Nase, Augen, Hände und Fingernägel genau geprüft. Immer wieder hat sie ihre eigenen daneben gehalten um den Unterschied direkt vergleichen zu können. Süß :-)

Ich hatte auch ein paar kleine Geschenke wie z.B. Bunstifte, Radiergummies und einen Ball dabei, worüber sich die Kinder sehr gefreut haben. Die größte Begeisterung kam bei den Luftballons auf wovon gleich jeder einen für sich alleine haben durfte. Ich schätze mal, dass sie wenig eigenen Besitz haben und vieles teilen müssen, was so ein eigenes kleines Geschenk vlt. nochmal besonders macht.

Mit der Leitung habe ich mich über den Alltag und Adoption unterhalten. In Kamerun adoptieren die Leute keine Kinder was bedeutet, dass 100% der Kinder an Familien im Ausland vermittelt werden.

Insgesamt wurde ich sehr herzlich empfangen und zu weiteren Besuchen eingeladen, welchen ich auch gleich zugestimmt habe. Mindestens einmal die Woche werde ich vorbei kommen und mit den Kindern etwas Basteln, Malen, ihnen Vorlesen, oder oder.... 

Mittwoch, 14. Mai 2014

Bamenda 2

Am nächsten Morgen ging es dann auf den Markt. Kleine Hüttchen aneinander gereiht oder kleine Stände und Matten mit allerlei Kram. Von Lebensmittel über Apotheke, Haushaltsgegenstände und viiieeeeles mehr ist zu finden. Zwischen den schmalen Gängen laufen verteilt die Menschen, wovon die Verkäufer oder Zulieferer meist die großen Dinge auf dem Kopf balancieren. Egal ob eine Palette an Bier oder Riesige Körbe mit Gemüse oder Früchten gefüllt. Vereinzelt sind kleine Friseursalons und Maniküre zu finden. Auch Madame Oben musste sich für die Konfirmation unbedingt noch hübsch machen lassen, was für mich langes warten bedeutete aber mir auch die Gelegenheit gab, mich mit den lokalen Verkäufern zu unterhalten und vieles zu beobachten.

Maniküre: Verlängere Nägel UND Fußnägel sind hier ein Trend. Die Handwerkskunst jedoch unterirdisch und… EKELIG! Die alten Verlängerungen werden abgeknippst und grob abgefeilt. Die Pilze wuchern nur so darunter und die nächste Schicht wird darauf geklebt. Natürlich wird für jeden Gast das gleiche Werkzeug benutzt…. UH! Da kam mir doch ein wenig der Ekel. Hier macht einfach jeder irgendetwas. Spezialisierte Ausbildungen sind nicht vorhanden, egal ob man Maniküre, Malern oder was auch immer anbietet. Solche Jobs stellen eben die Einnahmemöglichkeiten für die ‚ärmere‘ Bevölkerung dar.

Auch sehr spannend zu beobachten ist der Haarkult in Kamerun und scheinbar auch in anderen Teilen Afrikas. Die meisten, die es sich zumindest leisten können, lassen sich künstliches Haar einflechten. Egal ob ein komplett geflochtenen Zopf, welliges Haar, glattes Haar, buntes oder oder oder: Das eigene Haar wird entweder damit verpflochten oder am Kopf entlang geflochten und das neue Haarstück daran festgenäht. Die Damen investieren gerne Geld und bis zu 5 Stunden sowie einige Schmerzen um sich zu verschönern.
Während ich alles so beobachtete und auf Madame Oben wartete, kamen immer wieder Kinder zu mir um mich zu grüßen. Sie waren neugierig und wollten mehr erfahren. Selbst die ganz kleinen Süßen, die nicht mal ihren eigenen Namen aussprechen können, kamen immer wieder angekrochen. Ein kleines Mädchen verbrachte mit mir eine Ewigkeit. Kuschelte sich an mich und genoss vermutlich meine warme Art, die hier Kindern gegenüber doch ungewöhnlich ist.
Natürlich wollte ich auch Fotos von dem Markt  machen, was auf sehr unterschiedliche Meinungen und Reaktionen traf. Manche waren super freundlich und haben mich sofort in Gespräche verwickelt. Andere waren sauer, dass ich nur Fotos machen wollen würde aber ihre Produkte verkaufe. Insgesamt habe ich mich dann doch in so viele Gespräche verwickeln lassen, dass kaum ein Foto zustande kam.  :-D


Nach dem stundenlangen warten ging es dann zu Verwandten von Madame Oben in einem kleines Haus mit vielen Bewohnern. So ganz habe ich nicht durchgeblickt, wer dort alles lebt. Aber zum Vergleich: Es gibt einen Anbau für eine der Töchter sowie Mann und 11 Monate altes Kind. Es handelt sich dabei um ein 4x4m großes Zimmer mit Sofa und Gaskocher sowie ein weiteres Zimmer wo gerade einmal ein 1,60m Bett und ein kleiner Schrank Platz findet. Und dies scheint hier ‚Standard‘ für die ‚Durchschnittsbevölkerung‘ zu sein. Von der Nachbarschaft kamen dann noch Kinder vorbei, die sich riesig über meine Anwesenheit freuten J Kinder sind so schön unbeschwert, ehrlich und vorurteilsfrei!

Im Anschluss ging es dann zur Konfirmation. Wir waren schon knapp dran und trotzdem bestand M Oben darauf noch einen Topf umzutauschen und die SIM-Karte aufzuladen. Dem entsprechend kamen wir später an und die Firmung/Konfirmation war schon in vollem Gange. Ich hatte ursprünglich mir eine familiäre Feier vorgestellt. Aber stattdessen handelte es sich um einen kirchlichen Akt innerhalb des Internats ihres Sohnes. Hier werden Kinder gerne mit 12 Jahren (nach der 6-jährigen Grundschule) auf ein Internat geschickt, da ‚Lehrer eine bessere Erziehung gewährleisten können und die Kinder zu Hause nur stören‘ (M Oben). Dass man sich nur 3mal im Jahr sieht ist kein Problem und wird emotionslos betrachtet. Der Hauptgrund Kinder zu Gebären ist die Weitergabe des Familiennamens und nicht zwingend das familiäre Beisammensein. Ich fand es schon erschreckend, dass wenn man sich nur 3mal sieht, man dann auch noch auf Grund von Nichtigkeiten zu spät kommt und nach der Zeremonie auch wieder direkt fährt. Extreme Freude o.ä. war bei dem Wiedersehen in keinem der Gesichter zu bemerken.
Am nächsten Morgen wollten wir dann noch einmal zum Internat fahren, da ein gemeinsamer Brunch angesetzt war. Zu erst musste M Oben jedoch zu ihrer Familie um gewisse Dinge abzuholen. Dann ging es zu 4 Busgesellschaften um festzustellen, dass am Mittag keine Busse fahren, sondern nur morgens oder abends. Der Bus am Abend kam für uns auf Grund der langen Fahrtzeit und der Arbeit am nächsten Tag nicht in Frage. Also hetzte M Oben zurück zum Internat um noch ein paar Süßigkeiten und Getränke abzuliefern um uns anschließend im Hotel einzusammeln und zum Bus zu gehen. Ganz knapp haben wir dann den Bus noch erwischt. Diesmal dauerte die Führt über 11 Stunden (300km), da wir diesmal 2mal umsteigen mussten, was uns die Busgesellschaft natürlich schön verschwiegen hatte. EEEEEndlich zu Hause angekommen haben wir uns erstmal ein Bierchen gegönnt J Verdient hatten wir es uns!

Orga und Planung:

Also im Voraus denken, planen und Zeitmanagement ist hier so eine Sache. Zumindest bzgl. Madame Oben! Hätte man das ganze besser durchstrukturiert hätte man die Zeit definitiv effektiver nutzen können. Da ich aber noch alle Eindrücke wie ein Schwamm aufsauge, hat mich das ewige Warten bisher nicht gestört. Mal schauen ob mich das noch ändert ;-)


Dienstag, 13. Mai 2014

Mein erster Ausflug - Bamenda

Mein erster Ausflug

Am Wochenende ging es mit Madame Oben und Moses nach Bamenda, ihrem Heimatort. Grund für den Ausflug war die Konfirmation einer ihrer Söhne. Dazu aber später mehr.
Erst einmal hieß es Bus fahren. Ich bin der Überzeugung, dass ich schon einiges an Transportmöglichkeiten in Entwicklungsländern kennen gelernt habe. Aber Kamerun hat es geschafft, mir eine weitere Erfahrung zu bieten:
Die Minibusse sind pro Sitzreihe auf 4 Personen ausgelegt. Hier wird dann mal eben 5-6 Personen daraus gemacht, wovon 2 Personen in der Regel Big Mamas mit erheblichem Übergewicht sind. Zudem kommen noch Kinder auf den Schoß, welche durchaus auch mal 10 Jahre alt sein können. Schon beim Einsteigen starten die Diskussionen über die Sitznummern und Reservierungen, da ja logischer Weise mehr Tickets verkauft wurden als Sitze vorhanden sind. Diskutieren heißt hier Schreien mit wilden Gesten, die alles gleich wesentlich dramatischer erscheinen lassen als es ist. Das ganze zieht sich dann etwa 30-60 Minuten hin, damit wir auch ja nicht pünktlich abfahren können. Bei 30C und keinem Fahrtwind verliert man schon einmal das ein oder andere Kilo allein durchs Schwitzen. Eingezwängt zwischen zig Leuten war es mir nicht möglich ein Foto zu machen. Erst als ein Teil der Passagiere ausgestiegen waren konnte ich ein Bild erlangen. 

In der Regel nutzt einer der Passagiere die Fahrt um seinen ‚scheiß‘ zu verkaufen. Zu erst wird viel erzählt, gebetet und gesungen um die Sympatie der Passagiere zu erlangen. Dann geht es um das Verkaufen von irgendwelchen Wundermittelchen gegen zig Krankheiten. Auf der Hinfahrt hat sich das ganze 3 Stunden hingezogen, was auf Dauer einfach nur nervig war.

Zwischendurch wird langsam an Dörfern vorbei gefahren damit schreiende Verkäufer dir verschiedene Lebensmittel auf den Schoß legen können um dich zum Kaufen zu überreden. Wobei man auch sagen muss, dass diese Art von Lebensmittelerwerb ein der günstigsten Möglichkeiten darstellt.
Eine gegrillte Kochbanane = 15 Cent
5 mittelgroße Bananen = 15 Cent
1 gegrillter Mais = 15 Cent
In der Stadt kostet ein gegrillter Fisch etwa 1,50€.

Unterwegs konnte ich die Vielfalt der Natur bewundern, da sich Madame Oben netterweise darum bemüht hatte, dass ich einen Fensterplatz ergattere. Slums oder ähnliches waren nicht zu sehen da sich diese eher am Rand der Stadt befinden und nicht in den ländlichen Gegenden.

Nach etwa 8 Stunden (für etwa 7,50€) kamen wir dann endlich in Bamenda an und sind direkt ins Hotel. Dort haben wir uns zu dritt ein 1,80m Bett geteilt, was doch eine kleine Qual war. Auf der anderen Seite war es auch schön abends bis spät in die Nacht über kulturelle Dinge und  das Leben zu philosophieren. 


Insgesamt ist es eine sehr willkommende und teilende Kultur. Sobald sich einer eine kleine Staude Bananen oder eine Packung geschälter Papayastücke kauft, wird dies gleich den Sitznachbarn angeboten. Als 'hellhäutiger' Ausländer ist es mal so mal so. Mal sind die Leute total herzlich und helfen einem oder bieten einem etwas zu essen an. Das andere Mal wird man als reich abgestempelt was automatisch mit negativen Eigenschaften in Verbindung gebracht wird oder auf Ausbeutungsversuche oder Neid stößt. Vorurteile sind hier einige zu finden mit denen ich kämpfen muss.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Big Mama (Madame Oben)

Gestern und heute habe ich mit Madame Oben einen Spaziergang durch die Nachbarschaft gemacht und uns über Gott und die Welt unterhalten ;-)

Ihre Ansichten bezüglich schwarzer Magie, Hexenwerk, Dämonen und die Kraft Gottes ist schon spannend. Auf der einen Seite könnte sie alles sorgenlos machen (z.B. in ein Kriegsgebiet fahren), da sie ja unter dem Schutz Gottes steht. Aber überquert man die Straße muss man förmlich rennen damit ja nichts passiert.
Mein Tattoo hat sie überrascht da Tattoos die Gefahr bergen, dass Dämonen während des Stächens in mich einfahren. Ich wäre aber so ein gutes Herz, dass sie es doch kurz in Frage gestellt hat. Aber vlt. hab ich ja auch genug gebetet.

Generell ist sie aber eine sehr warmherzige Frau! Z.B. stellt sie sicher, dass ihr Neffe zur Uni gehen kann, da dessen Vater verstorben ist. Ab und zu kocht sie für das Waisenhaus in der Nachbarschaft. Um mich ist sie total besorgt und sieht mich quasi als ihre eigene Tochter an. Sie setzt sich für die Gleichstellung der Frauen ein, etc..

Die Familie selbst trinkt Wasser aus dem Wasserhahn, was angeblich total unbedenklich ist. Trotzdem wurde für mich von Anfang an Wasser in Flaschen gekauft und im Kühlschrank bereit gestellt, da sie davon ausgeht, dass mein Magen nicht an das Wasser hier gewöhnt sei und sie möchte, dass es mir gut geht. Das fand ich doch bemerkenswert. Auch dass ich keine Mayonnaise zu den Gerichten möchte, wurde sofort verstanden und hat nicht einmal einen verwunderten Blick ausgelöst. Vermutlich war es keine Überraschung mehr, da ich vorher schon übersüßte Getränke sowie Zucker und Honig für den Tee abgelehnt hatte.


Die nächste Woche wollen wir zusammen ins Waisenhaus gehen. Ein paar meiner Materialien (u.a. Buntstifte, Radiergummis) werde ich mit dort hinnehmen und den Kindern schenken. Madame Oben findet das so schön von mir, dass sie sich entschieden hat ein paar Kleider zu spenden.

Neben diesen Nettigkeiten gibt es auch Seiten die ich bisher noch nicht ganz verstehe. z.B. bevor sie das Haus verlässt, lässt sie sich die Sandalen von ihrem zehnjährigen Sohn zu machen. Vermutlich weil das Bücken mit 140kg auf der Hüfte doch etwas schwierig ist. Sie selbst ist davon toootaaal überzeugt, dass sie jedes Wochenende Sport treibt. Aber ein zweistündiger Spaziergang in der Nachbarschaft stellt für sie mit ihrem Gewicht schon eine enorme Anstrengung da.

Insgesamt sind wir jedoch richtig aufgetaut und verstehen uns richtig gut. Ein Scherz hier oder da lassen wir uns auch nicht nehmen. Zwischendurch versucht sie mich sogar mit kleinen Dingen auf die Schippe zu nehmen. 
z.B. dass sie auch mal gerne Affen essen. Naja. Warum nicht. Sie essen ja auch Busch-Tiere (Welche nicht näher definiert werden. Dahinter kann sich alles verbergen, was gerade im Wald erjagt wurde). Ich wurde dann jedoch nur herzlich ausgelacht und aufgeklärt, dass Affen nicht zur lokalen Speisekarte gehören.

Kindergarten, Vorschule und positive Eindrücke

Heute möchte ich mich auch einmal positiv über die Schule und das System, welches ich hier vorfinde äußern:

Die Kinder werden hier bereits im Alter von 3 oder 4 Jahren 'eingeschult'. Seit September sind die kleinen Zwerge nun in der Schule und ich bin schwer beeindruckt was sie bereits gelernt haben.

Die Zahlen 1 bis 12 werden beherrscht und können entsprechenden Mengen zugeordnet werden. Zudem kann die Uhr gelesen werden, zumindest was die vollen Stunden betrifft. Und es ist ihnen auch klar, was es bedeutet, wenn der kleine Zeiger sich irgendwo zwischen den großen Zahlen befindet.  Das ist für dieses Alter schon beeindruckend.

Auch die Lehrerin muss ich loben. Vorgedruckte Arbeitshefte gibt es nicht was bedeutet, dass sie die einzelnen Aufgaben in alle Hefte der Schüler schreiben muss. Auch kleines Addieren und Subtrahieren bis 10 klappt mit den Kindern bereits mit Hilfe von Veranschaulichung. Was im Umkehrschluss für den Lehrer eine enorme Arbeit darstellt, da er in jedes Heft 5 Marienkäfer malen muss und 2 davon durchstreicht. Bei einer Klassengröße von 24-34 ist dies beachtlich.

Nach der Mittagspause gibt es bei den kleinen eine Ruhephase, welche sich leider durch stumpfes Sitzen auf den Stühlen gestaltet. Aufstehen ist verboten und spielerisches Angebot, Möglichkeiten kreativ sich zu betätigen oder andere Angebote bestehen leider nicht, was natürlich zum Teil auch den hohen Maetrialkosten zu verschulden ist.

Das hier ist die kleine Melissa mit mir zusammen :-)


Zudem habe ich 2 Lehrer entdeckt, die nicht im üblichen Maße (hier vor Ort) mit Bestrafung der Schüler arbeiten. Es ist spannend wie breit die Unterschiede hier auseinander klaffen. Die einen zücken häufig das Starkstromkabel, schreien oder beschimpfen die Kinder, wohin gegen diese beiden Lehrer mit positiver Bestärkung arbeiten. Bei ihnen wird nicht dazu ermuntert, die Kinder auf Grund falscher Antworten auszulachen. Statt dessen wird betont, dass Fehler erlaubt sind. Und wenn der Schüler falsch liegt kommen Bemerkungen seitens des Lehrers wie z.B. ,,das ist auch eine eigene Perspektive...'' oder ,,interessanter Ansatz''. Korrigiert wird durch ,,hast du schon mal über folgendes nachgedacht...?'' und somit ein Denkprozess angeregt um den Schüler selbst zur Lösung zu führen.


Mittwoch, 7. Mai 2014

Erste Fotos

Hier mal 2 Fotos für den ersten Eindruck:

In der Schule mit den Klassenräumen im Hintergrund. Sowie die Schulrektorin und eine der 'Sekretärinen`.


 Die Straße bzw. Weg vor der Schule + Haupteingang




In der Schule mit den Klassenräumen im Hintergrund. Sowie die Schulrektorin und eine der 'Sekretärinen`.

Dienstag, 6. Mai 2014

Om nom nom

Das Essen ist bisher recht lecker aber auch teilweise sehr fettig.
Morgens gibt es Omlett mit verschiedenen Zutaten wie z.B. Zwiebeln, Paprika und Tomaten. Dazu frittierte Kochbananen. Später am Tag gab es in Palmblättern gegarte Paste aus Bohnen und Fleisch, kombiniert mit anderen Bananen die ähnlich wie Kartoffeln schmeckten. Ein anderes Mal gab es Pommes und Bananen.

Am liebsten sind mir jedoch die frischen Mangos, Papayas und Melonen J jammy

In der Schule gibt es für die Schüler Lunch, welches recht schlicht ausfällt. Entweder Brot mit einem Saft oder Reis mit ein paar Gewürzen oder Pasten ‚verfeinert‘, wobei letzteres schon als das ‚gehobene‘ Essen bezeichnet wurde.
Ansonsten sind die Essgewohnheiten sehr fettig und oftmals frittiert. Morgens wurde mir Weißbrot und als Aufstrich Mayonnaise angeboten. Ich habe dann doch dankend abgelehnt und eine Banane bevorzugt. Auch Getränke werden extrem gesüßt getrunken. Tee wird durch mindestens zwei Teelöffel Honig oder andere Süßstoffe gesüßt.
Das ich dankend ablehnte verursachte tiefes Erstaunen.

Gastfamilie & Religion

Gastfamilie & Religion

Meine Gastmutter ist Baptistin und streng gläubig. Sie erzählt stuuuuundenlang über Erlebisse in ihrem Leben und wie dies mit Gott zusammen hängt. Einen Unfall hat sie nur überlebt, weil sie gläubig ist. Ihre Schwester ist an Krebs gestorben weil sie nicht oft genug gebetet hat. In der Stadt gibt es Menschen mit schwarzer Magie, die dich mit irgendwelchen Krankheiten und Dämonen bestrafen könne. Im Gegenzug kann ihr Priester sie und andere gläubige Menschen von Dämonen befreien…
Und dies ist nur ein kleiner Auszug.
Zu Beginn wurde ich gefragt, welcher Religion ich angehöre woraufhin ich mit katholisch geantwortet hatte. Für sie heißt dies wohl automatisch, dass ich dies tag täglich praktiziere etc.. Zudem ist sie sich zu 100% sicher, dass meine Mutter zu Hause jeden Abend für mich betet. Das machen Mütter ja schließlich so. Und dies wäre ja auch ein zusätzliches Backup für mich, zusätzlich zu meinen Gebeten.
Nach meiner Meinung wurde im Grunde nie gefragt, geschweige denn dass sie mal kurz luft geholt hätte damit ich hätte etwas einwerfen können. Und ja: BIG MAMA hat super viel Energie, gegen die man erstmal ankommen muss ;-)
Am letzten Abend wollte sie schließlich zusammen mit mir beten und hat entsprechende Lektüre aus dem Schrank geholt. Sie wollte, dass ich dies zusammen mit ihr laut vorlese, was ich dankend abgelehnt habe. Ich meinte, dass ich keine fremde Lektüre einfach so benutzen würde. Dies verstand sie, woraufhin sie dann trotzdem die Schriften mir laut vorlesen musste.
So richtig bin ich mir noch nicht sicher, wie ich sie daran heranführen soll, dass ich nicht streng gläubig bin. Zumindest nicht so wie sie es als selbstverständlich ansieht. Und Menschen die nicht gläubig (so wie sie) sind, wären schlechte Menschen.


Ich bin mal gespannt, wie sich dies noch entwickelt.

Mein erster Schultag

Mein erster Schultag

Da sich das Haus meiner Gastfamilie direkt neben der Schule befindet, sind es für mich nur wenige Schritte zu meinem Arbeitsplatz.
Der erste Tag begann mit zahlreichen Vorstellungsrunden mit dem ganzen Personal sowie in jeder Klasse. Wenn man den Klassenraum betritt, stehen alle Schüler auf und willkommen dich mit einem gemeinsamen Satz oder Slogan. Wird dies nicht von allen gemacht, wird die Klasse sofort ‚angeschrien‘. Generell ist Zucht, Ordnung und Leistung sehr groß geschrieben. Wer nicht folgt oder ‚funktioniert‘ wird getadelt. Einen kräftigen Klaps auf den Rücken oder auf die Finger konnte ich ebenfalls schon beobachten. Kinder die etwas falsch ausrechnen, werden teilweise vor der ganzen Klasse gedemütigt und Klassenkameraden sogar dazu aufgemuntert den versagenden Schüler auszulachen. Das hat mich doch ein wenig geschockt, muss ich gestehen. Über den Verlauf des Tages besuchte ich einzelne Klassen um weitere Eindrücke zu sammeln und anzukommen.
Zudem ging es dann mit der Schulleitung gleich ans Eingemachte.
Mir wurden Schwachstellen im Schulsystem in Kamerun dargelegt, welche in einem Meeting mit einer verantwortlichen Person seitens der Regierung erarbeitet wurden. Dies gab mir die Chance tieferen Einblick zu erlangen und vor allem deren Selbsteinschätzung sowie ihre Lösungsideen kennen zu lernen. Mit einigen Punkten tat ich mich schwer: z.B. dass der Lehrer noch autoritärer bzw. bestrafender werden muss. Aber gut. Bezüglich Schule etc. werde ich mich lieber zu späteren Zeitpunkt weiter äußern, sobald ich mehr Einblick erlangt habe.
Doch bereits jetzt merke ich, dass es einige Hindernisse geben wird hinsichtlich meiner hoch gesteckten Ziele. Ich bin gespannt, inwieweit ich diese adjustieren muss. Die nächsten Tage werden sich durch gezielte Beobachtungen, Interviews, Gesprächen etc. gestalten, um dies mehr beleuchten zu können.


Nach der Schule ging es noch in die Stadt (nennt sich so. sieht aber nicht so aus) um sich um Geld und eine lokale SIM-Karte zu kümmern. Straßen sind zum großen Teil nur Feldwege oder aufgehauene Strecken. Der Markt sind große Körbe oder Picknickdecken an dem Straßenrand. Alle sind freundlich und scheinen sich gar nicht groß an mir zu stören oder mir übermäßig Aufmerksamkeit zu schenken, was ich als sehr angenehm empfinde.

Willkommen in Kamerun

Willkommen in Kamerun


Kaum aus dem Flieger ausgestiegen war eines sofort festzustellen und kam einem wie eine Wan entgegen: heißes und feuchtes Klima.
Nach den Kontrollen und Gepäckband ging es dann durch die Tür nach draußen wo gleich 3 super nette und strahlende Frauen mich mit einem Schild in Empfang nahmen. Lange und feste Umarmungen, als würde man sich schon ewig kennen und als man hätte sich gegenseitig vermisst.

Ein schöner Start!

Danach ging es zum Auto und weiter nach Limbe. Angeblich sollte die Fahrt bei guten Verkehrsverhältnissen eine Stunde dauern. Trotz freier Straßen waren es dann doch über 2 Stunden, was mir gleich eine Idee vom Zeitgefühl in Kamerun vermittelte.
Unterwegs habe ich kaum Fragen gestellt, da ich viel zu beschäftigt war wie ein kleines Kind mit großen Augen aus dem Fenster zu schauen. Menschen, Natur, Verkehr und noch viel mehr haben mich beschäftigt gehalten. Nach einer Weile hielten wir an der Straße um uns etwas zu Essen zu besorgen. Kleine Grills am Straßenrand mit zahlreichen Sachen die ich so nicht kannte.
Von getrockneten Kuhschwänzen über Gebärmutter einer Kuh bis hin zu anderen Dingen die ich gar nicht alle erfragen konnte. Für uns gab es dann erstmal Fleisch, welches über dem Grill befestigt war und in dünnen Streifen abgeschnitten wurde. Es erinnert ein wenig an Döner nur dass es ein einziges großes Stück Fleisch handelte. Neben dem Stand laufen die Hühner umher und der Staub wird von den Fahrzeugen aufgewirbelt.
Ich als weiße wurde von allen freundlich angegrinst und etwas beobachtet. Jedoch bisher kein Vergleich zu den Erlebnissen in Indonesien, wo die Menschen in Massen hinter mir hergelaufen sind.
Nach etwa 2,5 Stunden wurde ich dann bei meiner Gastfamilie abgesetzt.
Sie stellte sich mit Madam Oben oder Mami Oben vor. Der Vater stellte sich hingegen mit dem Vornamen Francis vor und sein Sohn Moses. Die anderen 3 Kinder sind bereits ausgezogen.
Die Familie macht einen sehr netten Eindruck. Allerdings fällt es mir schwer sie besser einzuschätzen. Ich denke das wird mit der Zeit kommen. Das Haus ist für die Verhältnisse hier riesig angelegt wohingegen die Einrichtung sehr spartanisch und alt ist. Fließend Wasser gibt es im Badezimmer nicht weshalb ein großes Becken und Schöpfkelle bereit stehen. Im kleinen ‚Garten‘ ist ein Mango-, Orangen- und Avocadobaum zu finden.
Nach der Ankunft ging es weiter in die Kirche, da dort ein Chor zu Gast war. WOW! Solch perfekte Stimmen und Gesang. Auf Religion wird hier insgesamt sehr großen Wert gelegt, egal ob zu Hause oder in der Schule.
Gesprochen werden hier zig Sprachen und Slangs. Für die Region hier ist Piging recht verbreitet. Trotzdem kommen so viele Sprachen zusammen, dass in den Schulen Englisch und Französisch als Haupt- und Unterrichtssprache verwendet werden. Durch die damaligen englischen und französischen Kolonien ist je nach Region die eine oder andere Sprache als Hauptsprache vertreten.

Das Englisch hier ist jedoch gewöhnungsbedürftig für mich, da ein strenger Akzent vertreten ist und auch das Vokabular nicht mit dem anderer Länder vergleichbar ist. Umgekehrt werde ich jedoch auch des Öfteren gefragt, meine Sätze zu wiederholen. Insgesamt klappt die Verständigung jedoch recht gut.