Freitag, 27. Juni 2014

Kribi 2

Nach einem Tag Pause nahmen wir direkt die nächste große Strecke auf uns: Erneut nach Kribi.
Mit Madame Oben fuhren wir nach Douala wo wir den Bus wechseln mussten. Da ich die Strecke bereits kannte dachte ich, dass es ganz einfach wird. Allerdings stellte sich dann heraus, dass die Busgesellschaft die wir das letzte mal genommen hatten, die Strecke nach Kribi eingestellt hatte. Somit mussten wir erneut durch die ganze Stadt fahren (was hier wirklich ewig dauert auf Grund des heftigen Verkehrs) um zu einer anderen Gesellschaft zu gelangen. Im frankophonen Bereich des Landes wird nur selten Englisch gesprochen, was die ganze Kommunikation enorm erschwert. Daher waren wir dankbar, dass Madame Oben dabei war und alles mit uns klärte. Zudem kannte sie die Preise und wusste sofort, dass uns der Taxifahrer übers Ohr hauen wollte (3000 anstatt 500 pro Person). Nachdem wir erfolgreich unseren Bus gebucht hatten, machte sie sich auf den Weg ins Krankenhaus um ein paar jährliche Tests machen zu lassen und wir uns auf den Weg nach Kribi.
Nach etwa 8 Stunden kamen wir an, checkten schnell in das bereits bekannte Hotel ein und machten uns auf den Weg zum Strand. Dort genossen wir das Meer und den Sound der brechenden Wellen J Kein Geschrei, Lärm…. Nur ein paar starrende Blicke auf unsere weiße Haut und ab und zu ein aufdringlicher Fotograf. Dann eine schöne Dusche unter flieeeeeßendem Wasser J Keine Schüssel oder Schöpfkelle! Und weiter in die Bar für etwas zu Essen und ein paar Bierchen. Zudem gab es noch eine kleine afrikanische Schildkröte für Steffi, da sie an diesem Tag Geburtstag hatte.
Am nächsten Morgen wollten wir dann erneut zu dem Wasserfall der ins Meer mündet sowie die Pygmies besuchen. Der erste englischsprachige Motorradfahrer bestätigte, dass er wüsste wohin wir wollen. Er brachte uns jedoch nur an einen anderen Teil des Strandes, woraufhin wir darauf bestanden, dass er uns zurück bringt und wir natürlich nichts zahlten. Wir waren sicher, dass es nicht an sprachlichen Barrieren lag sondern ein um einen Versuch uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Danach fanden wir einen anderen Fahrer, der uns zum gewünschten Ort brachte. Dort kamen wir sofort mit einem Mann ins Gespräch, welcher scheinbar der Organisator für die Pygmieausflüge zu sein scheint. Nach einer längeren Preisverhandlung ging es dann mit einem Kanu flussaufwärts. An einer Stelle hielten wir um die Affen in den Bäumen herumspringen zu sehen. Danach ging es weiter flussaufwärts zum Dorf der Pygmies, wo 40 Menschen wohnen. Kleine Strohhütten mitten im Wald; zum Teil kleinwüchsige Menschen, einfachste Bedingungen. Mehr Kinder als Erwachsene; Inzucht ist hier selbstverständlich. Ein großer Teil Kameruns ist nicht mit Straßen verknüpft und liegt komplett im Wald. Hier finden sich noch immer unzählige Dörfer; teilweise mit runden Lehmhütten und Einwohner mit Palmblättern bekleidet. Die Regierung hat versucht diese Menschen aus den Wäldern zu holen und in Schulen zu schicken, was jedoch wenig erfolgreich war. Die Pygmies weigern sich und tragen enorm zur Überwilderung in Kamerun bei. Spannend solch ein Leben aus der Nähe zu betrachten, auch wenn man sich ein wenig wie ein Zoobesucher fühlte. Touristisch aufgezogen empfand ich es nicht, da man wirklich ‚einfach‘ als Besucher vorbei kam und einen Spaziergang machen konnte. Die Situation und das Leben dort war echt und nicht nachgestellt.



Nach einem kurzen Aufenthalt ging es wieder mit dem Kanu zurück und um Wasserfall. Da wir diesmal nicht am Wochenende sondern unter der Woche dort waren, waren wir quasi die einzigen vor Ort. Nur ein paar Einheimische und Kinder die Fußball spielten. Wir legten die Füße hoch und zwitscherten uns ein Bier nach dem anderen J Was ein Leben. Später kamen wir noch mit zwei Jungen (22 und 25 Jahre alt) ins Gespräch, welche nur einzelne englische Worte beherrschten. Trotzdem hatten wir einen netten Austausch und haben gemeinsam Fußball gespielt. Wir gaben ihnen zudem meine Handynummer um uns später in einer Bar zu treffen. Da wir jedoch schon super müde waren, hatten wir uns spontan dagegen entschieden. Nun bekomme ich jedoch täglich Nachrichten von Aaron, die noch einmal Aufschluss über die Kultur geben.
‚Becareful for you! God night honey‘; Queen City kiss <3 1 life 1 lov 1 wife; Hi Melissa good slip darling? And Stephanie? It is the heart of love! I really like him. Iam very raving mad. I feel bad about not see you. Take care for you‘; ,Is it possible to meet you today angel?’; ,How do you door? And Stephanie?’; ‘Good night Darling! Take care, big Ice kiss’; ‘I miss you’; ….
è Und das alles nach nur 1-2 Stunden Konversation
Aber hier ist das mit der ‘Liebe’ eh so eine Sache. Einige Jungs haben zig Freundinnen gleichzeitig; die Frauen nehmen die Männer aus; Jeder hat mit jedem Spaß…. Primär die Männer sind untreu…


Am nächsten Morgen ging es für uns dann nochmal kurz an den Strand mit einem Buch in der Hand. Mittags ging es dann schon zurück nach Limbe, was auf Grund des extremen Verkehrs in Douala etwa 8-9 Stunden gedauert hat. Puh. Diese Fahrten in den engen Bussen und Autos ist mega anstrengend.

Bantu Freemann - Künstler

Heute nahmen wir ganz entspannt und wollten uns ein wenig erholen. Wir wollten eigentlich nur kurz in die Stadt um ein paar Dinge bzgl. Internet zu klären, da dies Probleme bereitete. Zufällig lief uns dann Bantu über den Weg, welcher Künstler ist und für uns im Feriencamp Workshops anbieten wird. Spontan gingen wir dann zu ihm nach Hause was auch gleichzeitig seine Galerie darstellt.
Dort erhielten wir unzählige Informationen über seine Kunst Nzimbistic Botanic Art:
[ ‚BOTANIC ART, Also know as plants, green or environmental art, this is the creation of art through the process of transforming local plant materials into beautiful and natural images or objects such as a village, mountain, continent, country, city, house and house hold decorations etc.
NZIMBISTIC ART inspired by natural art of pure truth, positivism and divinity.This film focusses on Bantu Freeman, the Founder of Nzimbistic Botanic Art. A movement from the past,present and future while combining nature and the mystery behind creation. A deep exploration of Art works with the philosopher himself.
https://www.youtube.com/watch?v=RGH1zc3izhI    ]

Ich persönlich habe mich in das folgende Bild verliebt:

Die Bedeutung [Kurzfassung]:
Wer ist der Besitzer von all den Dingen die sich in einem Spinnennetz verfangen? Die Spinne. Das Netz stellt dabei die Gedanken der Gesellschaft dar. Und die gekrümmte und nachdenkliche Frau ist gefangen durch die ganzen Gedanken und Erwartungen der Gesellschaft. Sie verliert sich selbst dabei und ist nicht mehr Herr über sich selbst. Zudem ist sie innerlich leer, wie eine Mücke  im Netz. Die Mücke sieht genau so aus wie vorher, jedoch ist nur noch die äußere Hülle vorhanden und das Leben ausgesaugt.

Nach unzähligen Geschichten zu all den Bildern und Kunstwerken tranken wir gemütlich einen Kaffee und starteten eine kleine Jamsession. Da sowohl Steffi als auch ich eher zu den unmusikalischen Personen gehören, benötigten wir erst einmal eine kleine Nachhilfestunde mit sehr viel Gelächter und Spaß :-D
Er spielte uns zudem ein paar bekannte Lieder vor sowie eigens geschriebene Songs. Auch hier verfielen wir immer wieder in Lachattacken. Die Texte waren sehr amüsant und kulturell geprägt.

Insbesondere ‚bogozugu‘ hatte es uns angetan.  Die Situationskomik wiederzugeben ist enorm schwer. Ich habe es aber in einem Video festgehalten, was ich euch im November nachreichen kann.
Bogozugu wird durch die Busfahrt von Douala nach Kong [‚Douala n Kong‘ in der Landessprache] beschrieben, was das Auf- und Abfahren zwischen den beiden Städten darstellt und repräsentiert die Auf- und Abbewegung beim Sex. Mehrfache Kommunikationsschwierigkeiten und Übersetzungsversuche trugen hier zu humorvollen Missverständnissen bei J
Später kam noch ein Franzose zu Besuch, welcher gleich dieses Lied mit unterstützen musste. Danach vertieften wir philosophische Fragen und kulturellen Austausch.
-        -   Was ist wahres Glück / glücklich sein?
-         -  Bedeutung von Geld im Leben hinsichtlich Glücks
-       -    Sinn des Lebens
-         -  Geben und Nehmen
-          - Was ist ‚Freiheit‘?
-        -   Etc.


Sehr spannend war, dass Bantu bereits in England war und dort die Mentalität als kalt, lieblos und unglücklich wahrgenommen hat. Somit genau das gleiche Statement, was ich über Kamerun verfassen würde. 

Dienstag, 17. Juni 2014

Korup Park

Am Freitagmorgen ging es früh nach Buea um unseren Guide einzusammeln. Da wir ohne Madame Oben unterwegs waren, waren wir sogar mal pünktlich ;-)
In Buea angekommen haben wir John angerufen und weiter ging es nach Kumba. Soweit alles easy und ohne weitere Zwischenfälle. In Kumba brauchten wir dann einen ‚Sammelbus‘ nach Mundemba. Anstatt eines Sammelbusses waren wir dann jedoch gezwungen ein höher gelegtes Auto zu nehmen. Warum höher gelegt? Wegen den Straßenverhältnissen. Anstatt einer schön ebenmäßigen Asphaltdecke gab es hier einen Feldweg aus Lehmboden. In den vergangenen Jahren war die Straße kaum passierbar, wurde jedoch inzwischen begradigt und war gut befahrbar. Trotzdem wird auf Grund der ‚schlechten‘ Straßenverhältnisse ein vergleichsweise hoher Preis für den Transport bezahlt. Zudem wird das Auto mit zig Kilos an Fracht (Hauptsächlich Lebensmittel) beladen, um die Dörfer zu versorgen. Daher mussten wir auch noch etwas für unser Gepäck extra zahlen, da ihnen dies an wertvoller Ladefläche verloren ging.
Das bepacken des Kofferraums stellte sich als sehr amüsant für uns heraus J Andere hätte es vermutlich in den Wahnsinn getrieben: Erst einmal warteten wir im heißen Kumba geschlagene 2 Stunden bis das Auto kam. Dann ging es ans Beladen. Kiste für Kiste und Sack für Sack wurden aufgeladen; alles sooo gemütlich und unorganisiert. Dann wurde wieder alles ausgeladen, da wohl eine andere Fracht wichtiger war als die zuvor aufgeladene. Also nochmal von vorn. Aber auch dann musste wieder ausgeladen werden, da die Pakete noch mit einem Namen des Empfängers versäht werden mussten. Mühselig wurde mit einem Kugelschreiber auf alle 4 Seiten der Kartons ein Name niedergeschrieben. Da der Kugelschreiber jedoch nur dünn schrieb, wurde natürlich die ganze Prozedur mit einem Marker wiederholt. Also nochmal alle Pakete und alle 4 Seiten. Danach wurde ein Anruf getätigt, welcher ihm zu verraten schien, dass es sich doch um einen anderen Empfänger handeln wird. Daher wurden alle Namen durchgestrichen und stattdessen eine Telefonnummer aufgeschrieben. Steffi und ich konnte uns nicht mehr einkriegen vor Lachen :-D John ließ sich von uns anstecken und entschied sich einen kleinen Spaziergang zu tätigen um sich wieder zu beruhigen. Selbst für ihn, aufgewachsen in Kamerun, war es ein lustiges Vergnügen. Weitere 2 Stunden später ging es dann endlich los nach Mundemba, unser Ziel. ZU VIELE MENSCHEN in einem normalen Auto! Wahnsinn wie viele Leute hier transportiert werden! Ich war gezwungen 3 Stunden Fahrt auf Johns Schoß, halb querliegend über Steffis Beine zu verbringen.

Ein anderes Auto mit leeren Kanistern auf dem Rückweg

Als wir endlich angekommen waren haben wir uns erst einmal niedergelassen um ‚Bushmeet‘ zu probieren. Antilope in einer würzigen Pfeffersoße. LECKER! John kümmerte sich um ein Hotel um die Ecke, wo wir nach einem Bier einfach nur noch kurz hinlaufen mussten. Im Anschluss gab es noch einiges Bier mehr, lustige und interessante Gespräche, kulturellen Austausch und einen ziemlich angetrunkenen Spaziergang ins Hotel. Zu dritt teilten wir uns wieder ein Bett, was kein Problem darstellte. Am nächsten Morgen machte sich John recht früh auf den Weg um alle Informationen für unseren Besuch des Korup Nationalparks herauszufinden. Zurück kam er mit ‚schlechten‘ Nachrichten: Wir wären verpflichtet einen weiteren Guide für die Wanderung zu bezahlen, das wäre lokale Vorschrift um das Dorf zu unterstützen. Zudem wären die Hütten im Park zerstört worden, damit Touristen Geld für das Mieten von Zelten bezahlen. Wir hatten also die Wahl:
1: 2 Tage den zusätzlichen Guide zu bezahlen; sowie Eintritt in den Park pro Tag; sowie das Zelt
2: Nur einen Tag i Park zu verbringen; dafür eine weitere Nacht im Hotel; sowie die Schlafsäcke umsonst gemietet zu haben, die wir aus Buea mitgebracht hatten
Wir waren ein wenig verärgert, da wir ja schließlich John bereits bezahlten. Eigentlich um mit uns die Wanderung zu machen, was ja nun im Grunde hinfällig war.
Wir entschieden uns dann für Option 2 und machten uns direkt auf den Weg.

Mit 2 Motorrädern ging es einen holprigen Feldweg Richtung National Park. Dort angekommen mussten wir uns an einer militärischen Station anmelden um den Park betreten zu können. Über eine lange, lückenhafte Hängebrücke ging es dann über den Fluss in den Dschungel. John machte die ganze Zeit mehr Fotos als wir. Er war angeblich schon einmal dort und würde sich auskennen. Wir zweifelten jedoch stark daran. Nun waren wir froh den anderen Guide dabei zu haben, da der mit Machete uns den Weg frei schlug und stets wusste wo es lang ging. 




Quer durch den dicht bewachsenen Wald liefen wir insgesamt etwa 18km zu einem Wasserfall. Zwischendurch mussten wir durch riesige Kolonien an Ameisen laufen, wodurch die kleinen Mistdinger an uns hoch krabbelten und uns trotz geschlossener Kleidung in die Beine bissen.
Unterwegs passierten wir zudem zahlreiche pilzartige Bauten von Termiten, gefutterte Fruchtreste von den Affen und durchquerten Barfuß 3 Bäche. Dabei versenkte Steffi bei einer Überquerung ihre Schuhe, als sie das Gleichgewicht verlor und vergaß ihr Handy in der Hosentasche, welches zwar nass wurde zum Glück jedoch keinen Schaden davon trug.
Zudem kamen wir an 2 Wochen alten Elefantenexkrementen vorbei. Diese Elefanten kämpfen sich durch das Gebüsch und sollen auch in der Lage sein die felsigen Anstiege hochzuklettern. Gesehen haben wir jedoch leider nur ein paar Vögel.

Nach zig Stunden Wandern kamen wir wieder zurück, aßen und genossen ein paar Bier. Im Restaurant lief gerade ein Spiel der WM, was die lokalen Leute zu hitzigen Fußballdiskussionen einlud. Ich habe mir dann einen Spaß daraus gemacht hinüber zu gehen und ihnen zu sagen, dass all die Diskussionen nichtig seien, da Deutschland eh die WM dieses Jahr gewinnen würde. Dadurch handelte ich mir einige lächelnde Gesichter und Sympathie ein.

[Durch den ehemaligen deutschen Unterstützungspackt haben die Deutschen hier einen sehr guten Ruf. Insbesondere durch die Straßen und robusten Gebäude, die noch immer in einem tadellosen Zustand sind. Hitler wird hier von vielen auf Grund mangelnden Wissens bewundert, da er Macht hatte, eine Vision und viel erreicht hatte. Wenn man sie dann wissen lässt, dass Hitler unzählige Menschen aus rassistischen Gründen hat ermorden lassen, wird dies erst nicht verstanden. Wenn man es dann in härtere Worte packt und sagt, dass er Schwarze umbringen lies wird nur erstaunt geschaut und ungläubig oder gar zweifelnd reagiert.]

Nach einem recht kurzen Abend ging es dann auch schon ins Bett, da wir ziemlich kaputt vom Wandern waren. John wollte sich noch ein weiteres Bierchen gönnen, was für uns vollkommen ok war. Nachdem wir schon eingeschlafen waren kam er später ins Zimmer und weckte mich auf. Er wolle noch einen Freund besuchen, der eine Party veranstaltete. Dahin würde man jedoch etwas Geld mitbringen, was er nicht hatte. Ich gab ihm schließlich ein wenig Geld und lies ihn davon ziehen. Später hätte er eh noch seinen zweiten Teil seines Gehalts bekommen. Kurze Zeit später ärgerte ich mich jedoch ziemlich, da er spät zurück kam und mega stank! Da sind wohl einige Bier und andere Getränke geflossen. Der Geruch war selbst am Morgen noch unerträglich und ekelerregend. Zudem schnarchte er dadurch… grrrr. Im Nachhinein ärgere ich mich wirklich, dass ich mich in der Nacht habe überreden lassen. Zudem ärgert mich eh die Tatsache an sich, dass man geweckt wird damit er Geld zum saufen hat. Naja. Bin ich selbst Schuld.
Am nächsten Morgen war er jedoch früh aufgestanden um für uns die Rückfahrt zu organisieren. Dadurch mussten wir nur 30min warten, bis wir zurück nach Kumba fuhren. Ähnlich eng! 7 Erwachsene, 3 mittelgroße Kinder sowie ein Baby in einem normal großen Auto! 3 Stunden! Puh. Wir waren froh als wir es hinter uns hatten. In Kumba nahmen wir ein Motorrad um noch zu einem nahgelegenen Kratersee zu fahren. Vlt. nochmal 20min laufen und wir waren da. Schön erholsam und still inklusiver kleiner Kanutour. Darin zu schwimmen haben wir uns auf Grund der Bakteriengefahr sowie den Warnschildern bezüglich Gase im See nicht getraut.



Nach ein wenig Erholung ging es dann mit dem Fernbus weiter nach Buea und weiter nach Limbe. Gerade rechtzeitig für das deutsche WM-Spiel gegen Portugal (4:0) ;-) 

Planung der nächsten Ausflüge + Gepäckabholung

Da wir noch ein wenig Zeit haben bevor das Holiday Camp sowie die Lehrerfortbildung beginnen, wollen wir diese nutzen und 2 Ausflüge machen. Um den ersten Ausflug zu Planen rief ich John, meinen Guide von der Bergwanderung, an um weitere Details zu planen. Da das persönlich besser geht anstatt über das schlechte Telefonnetz, verabredeten wir uns für den nächsten Tag in Buea, was so einigermaßen auf unserem Weg nach Douala zum Flughafen liegt.
Morgens um 8Uhr ging es dann nach Buea, wo wir John am Bismarck Denkmal trafen. Dort gab er Steffi erst einmal den historischen Abriss, den auch ich bereits erzählt bekommen hatte. Dann ging es ums Geschäft: Wir wollen in den Korup Nationalpark und 1-2 Tage wandern. Nach einem netten Gespräch und ein wenig Verhandlung war alles geklärt (mehr dazu dann nach dem Ausflug).
Im Anschluss machte er mit uns noch einen einstündigen Spaziergang zu einem nahgelegenen Wasserfall. So hatte Steffi die Möglichkeit John schon etwas kennen zu lernen und einen ersten Eindruck von der Natur Kameruns zu erlangen: 10cm große schwarze Tausendfüßler, den Fuß des Mount Cameroons, einen im Dschungel versteckten Wasserfall… Natürlich kostenlos um seine Kunden glücklich zu halten ;-)
Diese 2 Stunden in der prallen Sonne verpassten Steffi dann auch gleich schon den ersten leichten Sonnenbrand.
Danach gingen wir noch in ein Touristenbüro, welchen etwa den 4fachen Preis von John verlangt. Wirklich Glück, dass wir ihn getroffen haben und das alles ein wenig unter der Hand regeln können.

Ok. Der Trip ist geplant also weiter zum Flughafen um Steffi endlich ihr Gepäck zu besorgen und um in Douala den Markt zu besuchen. In Kribi hatte ich ein schönes Tuch gefunden, welches Madame Oben angeblich auf diesem Markt für einen viel kleineren Preis besorgen kann. Jaja. ANGEBLICH! Oft genug glaubt sie etwas zu wissen, was sich dann leider als falsch herausstellt. Auf diesem Markt existieren diese Tücher nicht einmal! Also weiter zu einem anderen. Allerdings lief uns etwas die Zeit davon, da wir bis um 16Uhr noch das Gepäck abgeholt haben wollten. Um Madame Obens suuuuper zuverlässigen Pünktlichkeit entgegenzuwirken hatten wir behauptet, dass das Büro bereits um 16Uhr schließt. Überraschenderweise nahm sie dies auch ernst und wir fuhren dann erst zum Flughafen. Dort bekamen wir recht schnell das Gepäck und schafften es sogar, uns die Fahrtkosten des ganzen Tages für uns beide erstatten zu lassen. Wäre ich härter in die Verhandlung eingestiegen, hätte ich bestimmt noch einiges mehr verlangen können. Aber 2 Personen anstatt nur einer sowie einen kleinen zusätzlichen Bonus von etwa 8€ ist ja auch nicht schlecht J
Steffi meinte schon, dass ich so knall hart im Verhandeln wäre und sie das nicht so könnte. Da haben sich wohl meine Reisen und die Erfahrungen bezahlt gemacht ;-)
Im Anschluss ging es dann weiter zum zweiten Markt. Souvenirs, Tücher, traditionelle Masken etc.. Wirklich schöne Kleinigkeiten. Dann ging es wieder zum Flughafen, da ihr verstorbener Cousin ankommen sollte um in Kamerun beigesetzt zu werden. Steffi und ich gingen in ein Restaurant und genossen ein Bier, während sie die Formalien klärte. Dann ab nach Hause mit später Ankunft.


Unterwegs waren wir ab Buea mit dem privaten Fahrer des Gastvaters. Die Ausgaben der öffentlichen Verkehrsmittel gaben wir dann Madame Oben für den Sprit. Öffentliche Verkehrsmittel wären nicht günstiger gewesen und nicht so flexibel. Zudem haben wir das Geld ja von der Fluggesellschaft zurückbekommen J

Abholdienst

Heute war es soweit. Nach 5 ½ Wochen in Kamerun hieß es: STEFFFIIIII KOMMT! J
Morgens um 8Uhr (also um 9Uhr nach kamerunischer Zeit) machten wir uns auf den Weg nach Douala. Mit dem Wagen einer Arbeitskollegin, Juliette und Nadege aus dem Büro sowie unserem Busfahrer ging es los. Nach nur wenigen Kilometern der erste Zwischenfall: Benzin ist leer und Wagen somit liegen geblieben. Da das scheinbar nicht so unüblich war, machte sich der Fahrer gleich mit dem Taxi auf den Weg zur Tankstelle um ein wenig Benzin zu besorgen. Mit einer aufgeschnittenen Plastikflache wurde dann das Benzin ins Auto eingefüllt und weiter ging es. Auf halber Strecke kamen wir dann durch eine Polizeikontrolle. Erst wurden unsere Ausweise geprüft, Papierscheine; das übliche eben. Doch dann wurde kontinuierlich nach etwas neuem gefragt und geprüft, in der Hoffnung etwas finden zu können. Lichter prüfen, Blinker, Hupe… und schließlich den Feuerlöscher, der hier Pflicht ist. Dieser war vorhanden, funktionierte jedoch nicht mehr. Na super. Da haben sie doch noch einen Fehler gefunden. Und schon wurde eine Gebühr von 25.000 XAF fällig, was hier für eine Putzfrau fast ein ganzes Monatsgehalt ist. Also überirdisch übertrieben! Nun ging es ans Eingemachte: Diskutieren und sich auf einen Preis einigen oder mit auf die Polizeiwache kommen um den Fall zu klären. Wäre man mit auf die Wache, hätte dies vermutlich auch nichts geändert. Also Geduld bewahren und verhandeln. Zum Glück stellte sich dann (nach über einer Stunde) heraus, dass der Polizist eine Schwester hat, welche in der gleichen Schulklasse wie Juliette war. Und plötzlich kamen wir ohne jegliche Gebühr davon.
Gesetz ist hier so eine Sache und Korruption täglich anzutreffen. Dazu später mehr.
Also ging es weiter Richtung Flughafen, wo wir schon 20min nach Landezeit ankamen. Ein eingezäunter Parkplatz führt über eine kleine Treppe zum Flughafen. Also schnell dort hin. ABER NEIN! Das wär zu einfach! Ein Offizier lies uns nicht passieren und meinte, dass wir hier am Parkplatz warten müssten. Wir erklärtem ihm, dass unsere Freundin das erste Mal in Kamerun sei und im Flughafen warten würde. Aber all unsere Argumente prallten ab und wurden nicht einmal mit einem einzigen Gegenargument befriedigt. Nein! Das ginge eben nicht.
Nach einer Weile musste der Offizier sich um ein paar andere ‚Besucher‘ kümmern, was mir die Chance gab, schnell vorbei zu huschen und nach drinnen zu rennen. Drinnen angekommen musste ich eine ganze Stunde auf Stephanie warten, da die Airline ihr sowie zahlreiches anderes Gepäck verloren hatte und zig Passagiere eine Beschwerde im Büro aufgeben mussten. Dies hatte sie auch getan, musste mich nach einer freudigen Begrüßung jedoch auch zu Büro führen, damit wir eine lokale Telefonnummer hinterlegen konnten. Nachdem dies geklärt war ging es zum Auto und Richtung neue Heimat.
Zu Hause gab es dann erstmal eine kleine Einführung meinerseits sowie das Kennenlernen der Familie. Zudem ein erster Spaziergang um die Nachbarschaft und ein erstes Willkommens-Bier J

Am nächsten Morgen ging es erst einmal in die Schule um ein paar Dinge zu klären und ihr einen ersten Eindruck zu geben. Anschließend fuhren wir in die Stadt um ihr wichtige Punkte und Orientierung zu bieten sowie lokales Geld zu besorgen und eine SIM-Karte. Sie kann sich echt glücklich schätzen, dass ich das alles mit ihr mache und ich mich auskenne. Mich hat diese Prozedur etwa 2 Wochen gebraucht, anstatt ein paar Stunden. Jaja. Organisation und Planung ist hier eben etwas anderes ;-)
Zudem hatten wir erneut am Flughafen angerufen, ob das Gepäck angekommen ist. Dies wurde uns zum Glück bestätigt, weshalb wir am nächsten Tag erneut zum Flughafen fahren müssen (Pro Richtung etwa 2 Stunden)

UND: So schön ein bisschen Heimat hier zu haben. Etwas Vertrautes, gemeinsames Lachen und Verständnis.

Montag, 9. Juni 2014

Haaaaaaaare

Über den Haarkult hier hatte ich ja schon einmal kurz berichtet.
Nun war es aber Zeit, das Ganze einmal selbst auszuprobieren :-)

1. Jeeeeede Menge Kunsthaar kaufen
2. Eine Arbeitskollegin überreden, mir die Haare zu machen anstatt in einen Salon gehen zu müssen
3. Über 2 Tage verteilt etwa 7 Stunden am Kopf herumgebastelt zu bekommen (Teilweise sogar von 2 Personen um schneller fertig zu werden)
4: Ergebnis:
5: Fazit: 
Das Haare geflochten bekommen empfand ich als sehr angenehm, sodass ich teilweise fast eingeschlafen bin. Im Salon sehen die Leute immer aus als würden sie wahnsinnige Schmerzen erleiden. Ich mag ein bisschen Ziehen und Arbeiten in meinem Haar. 
Tragegefühl: Ähm. Nein Danke. Durch das Kunsthaar super heiß und kratzig. Gut. Das war zu erwarten, das gebe ich zu. Ausprobieren wollte ich es trotzdem einmal.
Zudem darf man das Haar angeblich nicht waschen, da es sonst anfängt zu stinken und zu gammeln, da sich die Feuchtigkeit im Geflecht sammelt. Angeblich hilft es ein wenig die Kopfhaut mit Alkohol abzutupfen. Naja. Trotzdem muss ich das nicht 4-6 Wochen ertragen, so wie die Einheimischen. Also nach kurzer Zeit wieder raus damit, was etwa eine Stunde gedauert hat. Danach hatte auch ich krauses afrikanisches Haar das in alle Richtungen stand :-D


Donnerstag, 5. Juni 2014

Abschlussfeier

Am Mittwoch war es endlich so weit: Der letzte Schultag! Und somit auch die Deadline für viele Aufgaben die wir alle hatten.
In den letzten Wochen war ich mit Analysen, wissenschaftlichen Datenerhebungen und vielem mehr beschäftigt. Zudem war ich mit der Organisation des Feriencamps beschäftigt. Lehrer evaluieren und einstellen, Agenda planen, Workshops designen, Finanzplan erstellen, Promotionsmaterial herstellen, Radiowerbung schalten und vieles mehr. Nebenher den Entwicklungsplan für die Lehrer ausarbeiten um ihnen für die Ferien Lektüre mitzugeben, als Vorbereitung für die Lehrerfortbildung die ich durchführen werde. Alles musste bis zu diesem Tag fertig sein. Daher war es wirklich ein Tag der Freude und der Erleichterung.
Nun mehr zum Tag:
Alle Schüler und Eltern waren eingeladen um den Abschluss der sechsten Klasse zu feiern und in die Ferien einzuläuten. Pavillons und Stuhlreihen wurden aufgebaut und die ganze Schule geschmückt. Es gab ein Programm von 10-15Uhr mit 2 Hauptmoderatoren (englisch und französisch) und zahlreichen Auftritten. Die Vorschule, Kindergarten sowie die Abschlussklasse hatten Tänze, Debatten, eine Modenschau und Lieder vorbereitet. Die kleinen Knirpse sind ja soooo süß J
Zum Abschluss gab es pro Klasse noch unzählige Ehrenpreise, was sich sehr in die Länge zog. Als belohnenden Abschluss wurde mit allen Lehrern ein paar Bier getrunken J
Meine Herausforderung des Tages: Eine Rede vor etwa 1500 Menschen halten um die Familien dazu zu motivieren, ihre Kinder in das Feriencamp zu schicken. Also eine Mischung aus Inspiration, Motivation und ‚Rechtfertigung‘ warum das Camp so teuer ist und was so besonders ist.
Die wahre Herausforderung, abgesehen dieser riesigen Masse an Menschen: Mich an die Zuhörer und ihre Kultur anzupassen. Wie wird hier inspiriert? Worauf springen die Menschen an? Die einzig wahre Antwort die ich fand war: Du musst wie ein Priester in der Kirche reden. Emotional und üüüüüber-enthusiastisch. Mitreißend und mit viel Gestik unterstreichen. Trotzdem langsam und verständlich, da mein englisch für manche Zuhörer schwierig zu verstehen ist.
Ich muss zugeben, dass mich das wirklich sehr nervös gemacht hat. Doch ich muss sagen: ich habe mich gut geschlagen! J Ich habe sogar Applaus bekommen, welchen die Rektorin bei Ihrer Rede nicht bekommen hat. Applaus war bei der Feier eigentlich nur üblich, wenn das eigene Kind gerade auf der Bühne war.
Zudem hat mir der Tag viel Energie gegeben, da sich alle an den Kindern erfreut haben. Kleine fehler wurden belächelt und als ‚süß‘ empfunden. Kein Geschrei, Geschimpfe oder ähnliches. Einmal waren gerade die Sechstklässler ein Theaterstück am vorführen, als auf einmal ein ganz kleiner Knirps auf die Bühne watschelt und sich in Ruhe das Publikum betrachtet. Eine Lehrerin kam dann von hinten angerannt um den Kleinen einzusammeln. Alle haben gelacht und den ‚Zwischenfall‘ genossen J

Das erste Mal hatte ich das Gefühl, dass die Kinder wertgeschätzt wurden und Bestrafung nicht nötig war. Schön!

Und nun sind Ferien angesagt. Was nicht bedeutet, dass ich frei habe sondern viel mehr nur etwas flexibler mit meiner Arbeit bin. Keine knappen Deadlines und erstmal etwas weniger Druck. Somit kann ich mich auf das Camp und die Konzipierung der Lehrerfortbildung konzentrieren :-) 

Mittwoch, 4. Juni 2014

Mount Cameroon – Es wird ernst

Samstagmorgen ging es nach nur 20 Minuten Verspätung um 7.20 Uhr los. Allein schon das Gewicht des Rucksacks ließ Madame Oben langsam die Seriosität der Wanderung erkennen. 8 Liter Wasser, ein Zelt, Schlafsack, trockene Anziehsachen und einen dicken Pully zum Schlafen, Essen, Taschenlampe sowie Kameraequipment brachten etwa 17kg auf die Waage. Mit dem Taxi ging es zunächst zu einem kleinen Dorf am Rande des Berges von wo wir bis ans Ende des Dorfes gemeinsam liefen um dort Madame Oben zurück zu lassen. Allein der steile Trampelpfad zu Beginn der Tour lies sie erahnen was ich vor habe und sie war glücklich nicht mit zu müssen. Umso mehr sorgen machte sie sich um mich, was wirklich süß war.
Und los geht’s! Wo soll ich bloß anfangen? Also einen Weg gab es nicht! Der erste Teil der Wanderung ging durch den Dschungel, durch tiefes saftiges Grün. Schmetterlinge, riesen Grasshüpfer und Vogelgezwitscher begleiteten uns immer wieder. Hier und da hörte man die Affen schreien, welche sich jedoch nicht blicken ließen. 

Eins meiner Highlights war ein Chamäleon, was sich geschickt auf dem leuchtenden Grün versteckte. Mit totaler Begeisterung und Faszination hielt ich immer wieder ein braunes Blatt unter den 10cm großen Knirps um das Wunder des Farbenwechsels zu beobachten. Wirklich ein Wunder der Natur meiner Meinung nach!

Nach kurzem Vergnügen mussten wir aber auch schon weiter, um unser Ziel auch zu erreichen. Weiter durch das nasse Gestrüpp, was die Luftfeuchtigkeit enorm steigerte. Schweiß, Luftfeuchtigkeit und Nässe der Pflanzen waren irgendwann nicht mehr zu unterscheiden. Alles war einfach nass. 
Nach etwa 2,5 Stunden erreichten wir die ‚Savanna‘. Bäume waren seltener, veränderten sich und wurden von hohem Gras abgelöst. Und mit hoch, meine ich hoch. Als Guide muss man hier wirklich wissen wo es lang geht, da das Gestrüpp durchaus höher sein konnte als wir es waren. Nach und nach kam immer mehr Vulkangestein zwischen dem Gras hinzu. Geröllartige und teilweise messerscharfe Steine erschwerten den Aufstieg. Auch die Höhe machte sich durch dünne Luft langsam bemerkbar. Nach einiger Zeit wurde das Grad niedriger und die Berge Vulkanartiger. Kleine, ehemalige Krater ragen in die Höhe und bilden eine schöne Landschaft.  Ab einer gewissen Höhe ging es primär um die Krater drum herum auf dem Kamm des Berges stetig nach oben.


Scheinbar lagen wir ganz gut in der Zeit, was meinen Guide dazu veranlasste mich vor folgende Optionen zu stellen:
Sollen wir eine Längere Route gehen? Eine Tour die normalerweise für 3 Tage angesetzt ist und wir machen sie in 2?
Ähm. Ich bin zwar kaputt, aber wenn wir so gut in der Zeit liegen: Klar! J
Später stellte sich heraus, dass ich meinem Ego nicht immer zuhören sollte. Nicht immer höher, besser etc.. Irgendwann ist auch mal gut! Aber dazu später mehr.
Nach meiner Zustimmung ging es dann in eine etwas andere Richtung weiter. Weitere Berge und Krater zierten den Weg sowie Nebel der sich um die Hänge legte. Um 17Uhr erreichten wir endlich unser Ziel: Zwei kleine Metallhütten, die die Deutschen zurück gelassen hatten. Kaputte Generatoren und Wassertanks lassen den ursprünglichen Zustand erahnen. Ich hatte die Ehre mich auszuruhen und den Sonnenuntergang zu genießen, während mein Guide und sein Kumpel Holz sammelten. [John hatte einen Freund, Chica, mitgebracht um ihn als Guide einzuarbeiten]
In der Hütte platzierten wir getrocknetes Gras als Polsterung sowie unsere Schlafsäcke an der Wand und vor uns das Lagerfeuer um uns vor der Kälte des Berges zu schützen. Hätte man vorher gewusst, dass wir diese Strecke nehmen, hätten wir auf 3kg Zelt jeweils verzichten können. Aber gut. Das war vorher nicht abzusehen.
Schnell die Anziehsachen gegen etwas Trockenes gewechselt, einen Tee/Kakao aufgesetzt und in den Schlafsack gekuschelt. Brot und Sardinen aus der Dose waren unser Abendessen, begleitet von kulturellem Austausch. [Hitler wird von Männern in Kamerun gemocht weil er eine Vision, Macht und Abenteuer hatte. Dass er rassistisch Menschen umgebracht hat ist scheinbar nicht ganz so präsent]
Um 8Uhr fing es dann auch an zu regnen und erstreckte sich über die ganze Nacht. Zwischenzeitig handelte es sich wieder einmal um wasserfallartige Niederschläge, was mich ein wenig sorgte hinsichtlich des nächsten Wandertages. Allerdings konnten wir uns sooo glücklich schätzen, dass wir diesen Weg gewählt hatten und in den Hütten Schutz gefunden hatten. Die Zelte hätten uns bei diesem Regen definitiv nicht trocken gehalten und eine schlaflose, kalte Nacht bereitet. Am nächsten Morgen regnete es noch immer, was meine Stimmung schmälerte. Allerdings beruhigte John mich direkt, da er sich sicher war, dass es in etwa 1-2 Stunden aufhören würde. Und er behielt recht J Er kennt diesen Berg und dessen Wetter! Dementsprechend warteten wir bis es nur noch ganz leicht regnete und machten uns auf den Weg. Der regen machte die Vulkansteine rutschig, den Dschungel glitschig und matschig und manche Stellen auf Grund des vielen Wassers nicht passierbar. Ich will mir gar nicht ausmalen, welche Bäche sich gebildet hätten, wenn es weiter so geregnet hätte. Also noch einmal Glück gehabt! Trotzdem gestaltete sich die Wanderung wirklich hart. Unstabile Wege, eine längere Strecke sowie mein unpassendes Schuhwerk, ein paar einfache Turnschuhe, zahlten es mir heim. Mehrfach rutschte ich aus, zog mir Schürfwunden an der Hand und dem Schienbein zu und Schmerzen machten sich in den Füßen breit. Die Steine bohrten sich durch die dünnen Schuhe und Instabilität verschafften mir zahlreiche Blasen (bzw. Fleischwunden), blutunterlaufene sowie gebrochene Fußnägel. Echt nicht schön! Aber selber Schuld!

Als ich das erste Haus des Dorfes erblickte und mit dem dritten Haus die wartende Madame Oben erblickte, war ich so unfassbar glücklich und erleichtert, sodass ich sogar eine Freudenträne verdrückte. Nach einer Pause ging es gleich in den nächsten Kiosk und ein schmerzlinderndes Bier musste her! Madame Oben war total süß und konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil sie sich solche Sorgen um mich gemacht hatte. Und zurück zu Hause angekommen hatte sie gleich einen ihrer Söhne los geschickt um mir noch ein Bier zu kaufen J

Mount Cameroon - Die Vorbereitungen

Am Wochenende wollte ich gerne einen Trip starten und den Mount Cameroon (4040m), den höchsten Berg und aktiven Vulkan in Westafrika besteigen. Laut Reiseführer sollte es in Buea, was nur 45min von hier entfernt ist, ein ‚Reisebüro‘ geben, welches Informationen und Guides bereitstellt. Daher machte ich mich am Donnerstag mit meiner Gastmutter auf den Weg, was natürlich den Zeitplan wie gewohnt aus dem Ruder laufen ließ. Aber dies hatt ich schon zeitlich mit eingerechnet ;-)
In Buea (gesprochen: Boja) angekommen, fragten wir zig Taxifahrer ob sie uns zum genannten Reisebüro bringen könnten. Doch keiner schien es zu kennen. Wir entschieden daher zum Markt zu fahren, da dieser als Adresse angegeben war. Unterwegs fuhren wir dann ungewollt an einem anderen Touristenbüro vorbei welches wir dann umgehend ansteuerten. Was wir fanden war jedoch nur eine Baustelle und eine Tafel mir einer Telefonnummer. Die Bauarbeiter ließen uns dann wissen, dass das Büro nur freitags geöffnet sei. Daher wollte ich dort am nächsten Morgen anrufen.
Nach einer durch den Regen erzwungenen Pause machten wir uns auf den Weg zu dem Denkmal der 50jährigen Widervereinigung. Malereien mit Figuren als Repräsentanten für alle 10 Regionen des Landes schmückten den Hintergrund farbenfroh. Auch hier musste Madame Oben wieder unbedingt Geld für ein überteuertes und schlechtes Sofortfoto ausgeben.
Im nächsten Atemzug kam ein anderer Mann auf uns zu um uns alles Mögliche über das Denkmal zu erzählen. Zudem würde er sich um das nahe gelegene deutsche Denkmal und deutsche Gräber kümmern. Trotz der interessanten Informationen war ich wieder einmal skeptisch. Warum erzählt er uns das alles? Er will bestimmt ein Trinkgeld… etc.. Die typischen Stories die mir bei solchen ‚Verkäufern‘ und ‚Fotografen‘ in den Kopf kommen. Es stellte sich heraus, dass sein Engagement auch nicht ganz uneigennützig war. Es stellte sich heraus, dass er ein Guide ist und unter anderem Wanderungen auf den Mount Cameroon organisiert. Genau das kam mir ja gerade recht J
Es war dann nur noch eine Frage des Preises und des Datums. Und schon war es für das Wochenende geplant. Das einzige Problem war: Madame Oben begreiflich zu machen, dass das eine WANDERUNG ist und kein 2km-Spaziergang. Sie war wirklich sooooo davon überzeugt, dass sie mit kommt und dass sie das schafft. Nach langer Diskussion und ein paar nicht so netten Kommentaren meinerseits kam die Nachricht zum Glück an. Sie war zwar etwas gekränkt, aber eine aufhaltende und nach kurzem aufgebende Madame Oben hätte auch keinem geholfen. John, der Führer, war zum Glück auch sehr feinfühlig und hat ihr angeboten die erste Strecke mit zu kommen (etwa 500m) und sie dort an einer Hütte mit Palmenwein zurückzulassen. Das war dann ein kleines Trostpflaster für sie.

Somit ging es den gleichen Abend wieder zurück nach Limbe, da ich am Freitag arbeiten musste. Auf dem Weg platze dann ein Reifen des Minibus, was allerdings gar kein Problem war. Nach und nach wurden andere Busse angehalten und wir Paarweise abtransportiert. Die entsprechende Bezahlung wurde vom ersten an den zweiten Bus übergeben und war wirklich gut organisiert und lobenswert, auch wenn es sich bei solchen Situationen um keine Seltenheit handelt.

Am nächsten Tag wollte ich nach der Schule wieder nach Buea um noch Lebensmittel für die Wanderung einzukaufen und in dem zweiten Haus der Familie zu übernachten. Aus ‚nach der Schule‘ wurde dann 9Uhr abends, was auf Grund der kurzen Entfernung zum Glück kein so großes Problem war. Ich hatte sicherheitshalber schon vorher in Limbe alles eingekauft, da ich schon damit gerechnet hatte. Man lernt ja dazu ;-)

Mami

Nach nur einer Woche bat mich Madame Oben sie Mami zu nennen. Dies fand ich doch sehr merkwürdig, da nur eine Frau in meinem Leben diesen Namen für mich trägt. Dies erklärte ich ihr auch und sie verstand dies ohne das Gesicht zu verziehen. Nach ein paar Tagen und Unternehmungen konnte ich jedoch den kulturellen Unterschied feststellen: Jede ältere Frau wir Mami genannt, egal ob man sich kennt oder nicht. Es zollt einfach von Respekt.

Eine ähnliche Situation führte ebenfalls zu Verwirrungen:

Mir wurden mehrere Frauen und Männer im Dorf vorgestellt, welche Geschwister zu sein schienen. Vorgestellt wurden mir ihre ‚Brüder‘ und ‚Schwestern‘.  Zunächst war ich verwundert, dass man sich trotz so naher Nachbarschaft nur ganz selten sieht und die Geschehnisse des letzten Jahres erzählen musste. Ich stempelte dies zunächst als Oberflächigkeit ab und steckte es in die Schublade des ‚fehlenden Familiensinnes‘ den ich hier feststelle. Allerdings stellte sich später ebenfalls heraus, dass Bekannte und Freunde ebenfalls als Bruder und Schwester bezeichnet werden. Nach kurzem überlegen wurde mir dann auch klar, dass dies ja auch im Deutschen existiert und in gewissen Kreisen seine Verwendung findet.

Samen sähen und gedeihen

Manchmal ist es wirklich unfassbar, wie leichtgläubig die Menschen hier sind. Bzgl. Dämonen etc. habe ich ja schon berichtet. Hier ein paar Beispiele aus dem Alltag:
Manchmal tausche ich mit Madame Oben über kulturelle Dinge aus und was für Dinge in Deutschland verbreitet sind. Z.B. über das Fasten, Glaubersalze, Sauna (die es hier natürlich nicht gibt) etc.. Und schon werden all diese Ideen für toll befunden und ohne Hinterfragung übernommen. Sofort will sie Fasten (jaja, wer‘s glaubt! Aber sie scheint scheinbar schon davon überzeugt zu sein), sich regelmäßig in die Sonne begeben weil Schwitzen gesund ist (weil man hier ja auch nur 22Stunden pro Tag schwitzt)… Neue Ideen werden entweder sofort übernommen und hoch gelebt oder stoßen auf sturköpfige Gegenreaktionen. Zweites meist, wenn es gegen den religiösen Glauben und dessen Werte spricht. Erstes bei allem anderen.

Das krasseste Beispiel:
Ich war mit Madame Oben in der Nachbarschaft spazieren und habe von der Umgebung ein paar Fotos gemacht. Dies stößt bei fast allen Leuten auf heftige Reaktionen und Aggression. So auch dieses Mal. Ein Mann meinte mich anschreien zu müssen weil ich ein Foto von einem Gebäude gemacht habe. Wir haben uns geschickt heraus geredet, dass ich nur die Palme fotografiert hätte. Naja. Am nächsten Tag traf sie dann zufällig den gleichen Mann auf dem markt, welcher sie sofort ansprach. Wer ich denn sei und was ich hier mache. Nachdem Madame Oben mich als nationale Unterstützung und sozialen Mensch dargestellt hatte kam der Mann mit folgender Idee: Ich bräuchte täglich und insbesondere während irgendwelchen Ausflügen, militärische Begleitung. Man wüsste nie ob ‚Gangster‘ sich herumtreiben oder gar Terroristen aus Nigeria. Madame Oben ist natürlich gleich auf das Pferd aufgesprungen und hat den Herrn nach Hause eingeladen, Snacks und Wein serviert (denn diese Gesten machen einen Fremden direkt zum Freund der Familie). Der Mann versuchte mich zu überzeugen und mich zuzulabern, bis ich mir irgendwann nicht mehr sicher war was ich glauben sollte. Also schrieb ich gleich eine Mail an Georgia um die Situation aufzulösen.

Fazit: Entweder er wollte nur mein Geld oder er war selbst sehr leichtgläubig und hatte die Idee von jemand anderen. Auch der Gedanke hatte sich in Madams Kopf nach 2 Tagen schon wieder verflüchtigt und war vergessen. Ich kann alleine auf den Markt gehen und Ausflüge unternehmen ohne irgendwelche Bedenken. Sobald hier ein kleines Samen gepflanzt wird, kann der große Auswirkungen haben. Dies erklärt auch diesen Kult um den Propheten und andere Aberglauben.